Das Bond-Girl aus Weißensee

Museum Pankow erzählt die Geschichte Nikki van der Zyls und ihrer Familie

Nikki van der Zyls Geschichte ist einzigartig und zugleich das Schicksal von Millionen. Die Synchronsprecherin, gebürtig in Weißensee, gehörte zu jenen Juden, die mit ihren Familien vor den Nazis flohen. In Großbritannien machte sie dann Karriere. Weltberühmt wurde vor allem Nikki van der Zyls Stimme. Denn die lieh sie in den 60er und 70er Jahren zahlreichen Bond-Girls, wenn diese den Filmemachern nicht akzentfrei genug sprachen, darunter auch Ursula Andres in „Dr. No“. In der Ausstellung „Night Flight to Berlin – Eine deutsch-englische Familiengeschichte“ werden im Museum Pankow die Lebensläufe Nikkis und ihrer Familie über drei Generationen hinweg erzählt. „Eine Geschichte, die in keinem Filmabspann genannt wird“, berichtet Museumsleiter Bernt Roland.

Und diese Geschichte beginnt in Weißensee. Nikkis Großeltern, Leo und Martha Less, waren bekannte Geschäftsleute, die in der Berliner Allee einen gut gehenden Salon für Herren- und Knabenbekleidung hatten. Auch deren Kinder, Nikkis Eltern, bauten sich nach und nach eine Existenz in Weißensee auf. Der Vater, Werner van der Zyl, ließ sich zum Rabbiner ausbilden. 1935 wurde dann Tochter Nikki geboren, als die Nazis bereits systematisch Juden aus dem wirtschaftlichen und kulturellen Leben drängten. Gerade noch rechtzeitig kann Nikkis Vater mit der Familie fliehen. In Großbritannien fangen sie neu an, leben und wirken wie zahllose weitere deutsche Juden fortan im Exil. Hier sollte der Vater zum Mitbegründer des Londoner Leo-Beak-College werden. Und seine Tochter? Die beginnt schon bald als Schauspielerin und Journalistin zu arbeiten.

Weltberühmte Stimme.

Zwar kann Nikki van der Zyl zahlreiche Filmrollen vorweisen. Noch erfolgreicher aber war sie als Synchronsprecherin. So sollte sie bald weltberühmte Rollen sprechen, wenn die Darstellerinnen mal wieder nicht das gewünschte Oxford-Englisch beherrschten. Selbst dem großen deutschen Schauspieler Gerd Fröbe, der den Filmbossen in „Goldfinger“ nicht akzentfrei genug Englisch sprach, gab Nikki Nachhilfe. Die Ausstellung zeichnet aber neben dem erstaunlichen Weg Nikkis die Lebenslinien weiterer Angehöriger über drei Generation hinweg nach – auch jene der in Deutschland gebliebenen. Nikki selbst begann dann in den 70er Jahren nach der eigenen Familiengeschichte zu forschen. Von dieser Suche stammen auch die meisten Exponate im Museum Pankow, von denen viele zum ersten Mal präsentiert werden. Das Museum Pankow kam auf ungewöhnliche Weise zu der Ausstellung, wie Museumsleiter Bernt Roder erklärt. „Der Regisseur Michael Strauven drehte eine Doku über Gerd Fröbe für die ARD und interviewte auch seine Stimmentrainerin. Da er deren Lebensgeschichte sehr interessant fand, wandte er sich vor etwa zwei Jahren an uns“, sagt Bernt Roland. Für die Ausstellung im Museum Pankow hat Nikki van der Zyl zahlreiche Leihgaben zur Verfügung gestellt. Heute beschäftigt sie sich vor allem mit Malerei. In der Berliner Allee 73, der Geschäftsadresse  ihrer Großeltern, ist auch heute noch ein Bekleidungsgeschäft. An der Fassade erinnert eine Gedenktafal an Leo und Martha Less.

Illustre Gäste.

Zur Eröffnung am Sonntag, dem 10. November, hat sich entsprechend eine illustre Gästeschar angemeldet. Nikki van der Zyl selbst wird anwesend sein und Ehemann George Rooker aus London. Zum Leben und Werk der Familie werden zudem Rabbiner Maurice Michaels aus London und der Regisseur Michael Strauven sprechen. Kulturstadtrat Torsten Kühne (CDU) eröffnet die Ausstellung um 15 Uhr. Die Ausstellung geht vom 12. November bis zum 27. April 2014. Das Museum Pankow ist in der Prenzlauer Allee 227 und täglich (außer montags) von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Auf dem Bild: Die Lehrerin und ihr Schüler 1964: Nikki van der Zyl bringt Gerd Fröbe am Set von „Goldfinger“ akzentfreies Englisch bei.

Alexander Wolff / Bild: Museum Pankow

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