Freiraum gegen Rechts

Jugendliche planen antifaschistisches Zentrum

Einen Raum selbst zu gestalten und selbst zu verwalten, das wünschen sich Jugendliche aus Schöneweide und Johannisthal. Ohne die Kontrolle durch Sozialarbeiter oder andere fachliche Kontrolle wollen sie ein Jugendzentrum gründen, das antifaschistisch ausgerichtet ist. Dort sollen dann Filmabende und literarische Vortragswettbewerbe von selbstgeschriebenen Texten stattfinden und Aktionen gegen Rechtsextremismus geplant werden. Noch ist das Projekt in der Phase der Ideenfindung. Unterstützt vom Zentrum für Demokratie (ZfD) fand in der vergangenen Woche ein erstes Treffen dazu statt.

Fehlende Akzeptanz.

„Viele Alternative fühlen sich in den herkömmlichen Jugendzentren nicht richtig akzeptiert“, so Yves Müller vom ZfD.  Die etwa 20 Jugendlichen, die gemeinsam die Initiative zum selbstbestimmten antifaschistischen Jugendzentrum ergreifen, engagieren sich größtenteils bereits seit letztem Jahr in der Jugendinitiative „Uffmucken“. Dort werden gemeinsam Demos geplant, Workshops veranstaltet und kulturelle Events organisiert. Ein gemeinsamer Raum fehlt jedoch noch. „Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen“, so Müller. Es gebe noch viel zu tun. Deswegen hat das ZfD auch Gäste aus anderen selbstverwalteten Jugendzentren eingeladen, wie beispielsweise dem aus Strausberg. „Es ist ein langer schwieriger Weg dorthin. Man braucht ein gutes Konzept“, erklärt Müller. Nur die Idee einer Selbstverwaltung sei da noch nicht ausreichend. „Die Jugendlichen müssen sich darüber klar werden, was sie damit genau erreichen wollen, wie viel Geld so etwas kostet und wo das Geld herkommen soll“, erklärt Müller.  Positives Vorbild sei das „Heimelig“ am Schloßplatz in Köpenick. Das sei ein kleiner Raum, der von Jugendlichen mit den unterschiedlichsten kulturellen Veranstaltungen bespielt wird. „Das Konzept ist im Prinzip so ähnlich, nur, dass es nicht politisch ausgerichtet ist“, erklärt Müller. Das ZfD selber wolle die Jugendlichen unterstützen, indem es ihnen ein Forum bietet. „Wir finden es wichtig, dass den rechten Bestrebungen im Bezirk etwas entgegengesetzt wird. So ein Jugendzentrum ist ein gutes Mittel um rechte Hegemoniebestrebungen auszuschalten“, sagt Müller. In anderen Städten seien mit dem Konzept gute Erfahrungen gesammelt worden. In Lichtenberg sei eine ähnliche Idee jedoch gescheitert. „Das muss gut überlegt und geplant sein“, so Müller.

Anderer Ansatz.

Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) freut sich über die Initiative der Jugendlichen: „Ich begrüße alle Aktivitäten im Bezirk, die demokratiefördernd sind.“ Eine finanzielle Unterstützung oder die Bereitstellung von Räumen durch den Bezirk sieht er kritischer. „Das Projekt verfolgt einen anderen Jugendarbeitsansatz, als wir das tun“, so Igel. Die Idee könne funktionieren, wenn die Jugendlichen sich gut verstehen und gut organisieren. Doch ohne eine fachliche Begleitung könne das Bezirksamt auch nicht einschätzen, wie das Projekt läuft. „Das ist einsehr sensibles Thema“, so Igel.

Isabelle Zirden / Bild: thinkstock.com

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