Wer hat ein Herz für Obdachlose?

Soziales: mob e. V. sucht verzweifelt eine neue Notunterkunft

Harter Schlag für Berlins Obdachlose: Eine ihrer wichtigsten Anlaufstellen macht dicht. Der mob e. V. muss Ende Januar nächsten Jahres aus den Räumen in der Prenzlauer Allee 87 ausziehen. Betroffen von dieser Maßnahme sind die Redaktion der Obdachlosenzeitung strassenfeger, das Kaffee Bankrott, das Sozialkaufhaus Trödelpoint, die Beratungsstellen der Frostschutzengel und Pankows einzige Notunterkunft. Das ist das Ende eines monatelangen Kampfes zwischen dem Verein und der Vermieterin. „Mob hat das Haus an der Prenzlauer Allee mit viel Herzblut, Spendengeld und vielen ehrenamtlichen Helfern ausgebaut“, sagt der Chefredakteur des strassenfegers, Andreas Düllick (Foto: Vor der Redaktion des straßenfegers). Die Vermieterin begründet die Kündigung mit der veränderten Wohnsituation im Kiez. Ein Objekt dieser Art sei in dieser Gegend nicht mehr zu halten. „Das ist Gentrifizierung in Reinkultur“, kritisiert Düllick.

Notunterkunft obdachlos

Für das Sozialcafé, das Kaufhaus, die Redaktion des strassenfegers, das Vereinsbüro und die kostenlose Rechts- und Hartz-IV-Beratung konnten bereits neue Räume in der Storkower Straße 139d angemietet werden. Aber die einzige Notunterkunft im Bezirk hat noch keinen neuen Standort gefunden. Und dabei sind drei Punkte besonders wichtig: Die Unterkunft sollte verkehrsgünstig liegen, ein Vermieter, der ein Herz für Obdachlose hat und der Wohnraum muss bezahlbar sein. Vorschläge, in kostengünstigere Randbezirke zu gehen, findet Andreas Düllick absurd. „Die meisten Obdachlosen leben nun mal im Zentrum und müssen problemlos die Notunterkunft erreichen können“, sagt der Chefredakteur. Der Hinweis von amtlichen Stellen, sich auf dem privaten Wohnungsmarkt umzugucken, sei zynisch. Der Verein mit seinen 23 Mitgliedern finanziert sich ausschließlich aus Spenden. „Manche glauben, wir seien eine städtische Einrichtung und würden finanziell unterstützt. Dabei müssen wir alles selbst stemmen“, stellt Düllick die Situation klar. Schon der Umzug in die Storkower Straße wird ein Kraftakt. Der neue Standort, ein ehemaliges Teppichlager, muss komplett renoviert werden und kostet einen Menge Geld: neue Fenster, Heizung, Gasleitung, Küche, WC. Lioba Zürn-Kasztantowicz, Bezirksstadträtin für Soziales, bedauert, dass sie dem Verein keine Räume für die Notunterkunft bieten kann. „Das Bezirksamt besitzt keine Liegenschaften, außer vollbelegten Bürogebäuden, überfüllten Schulen und ein paar Jugendclubs. Allein die kalkulatorischen Kosten haben uns aufgefressen“, so Zürn-Kasztantowicz. „Ich kann Herrn Düllick kein Angebot machen, weil ich schlichtweg nichts anzubieten habe. Aber wenn wir ein realisierbares Objekt angeboten bekommen, werde ich mich dafür einsetzen, dass mob e. V. dort eine Etage für die Notunterkunft erhält.“ Deren Verlust schmerzt am meisten. „Wir bieten bisher 17 Schlafplätze für Männer und Frauen, die einzigen im Bezirk. Es kann nicht sein, dass für Flüchtlinge Häuser beschlagnahmt werden, aber Obdachlose keine Alternative bekommen“, so Düllick.

Einklagbares Recht

Andreas Düllick plant Proteste und Aktionen, um auf die Situation des Vereins aufmerksam zu machen. In der aktuellen Ausgabe des strassenfegers wird eine Aktion „Die roten Zelte der Obdachlosen“ vorgestellt. Im Dezember 2006 hatten in Paris die „Kinder Don Quichottes“ am Ufer des Canal Saint Martin eine Zeltstadt errichtet um auf die Situation der Obdachlosen aufmerksam zu machen. Der Erfolg kam schnell: Auf Wunsch von Präsident Chirac wurde ein einklagbares Recht für jeden auf eine feste Unterkunft beschlossen. Etwas Ähnliches plant mob e.V. in Berlin. In Frankreich war damals allerdings Vorwahlzeit, da geschieht bekanntlich manches schneller.

Ursula Schoser-Wolff / Bild: Anne Langert

WEITERSAGEN