Bedrohung für Klein-Kleckersdorf

Modernisierung: Bewohner der Kleinhaussiedlung am Steinberg wehren sich

Es ist ein wunderschöner Baum, der auf die Weihnachtszeit in der Kleinhaussiedlung Am Steinberg in Tegel einstimmt. Dass dennoch keine festliche Stimmung aufkommen will, liegt an einer ganz realen Bedrohung: die Vertreibung aus ihrer dörflichen Idylle mitten in der Großstadt. Die neue Eigentümerin, die „Am Steinberg Entwicklungsgesellschaft mbH“, hat viel vor mit Klein-Kleckersdorf, wie dieser Kiez liebevoll von seinen Einwohnern genannt wird.

Die Planungen sehen eine Luxussanierung der Siedlung vor und damit eine Vervielfachung der Mieten. Von jetzt 350 Euro kalt (mit Ofenheizung) sollen die Mieten nach den Modernisierungsmaßnahmen auf mehr als 1.600 Euro steigen. Gerade für viele der hier lebenden älteren Menschen mit ihren bescheidenen Mieten sind diese Zukunftsaussichten niederschmetternd. Die verschickten  Modernisierungsankündigungen haben natürlich ein ganz anderes Ziel: Die noch bewohnten Miethäuser sollen freigezogen, anschließend aufwendig überholt und anschließend teuer verkauft werden. In einschlägigen Immobilienportalen werden die kleinen Reihenhäuser schon jetzt als Luxusimmobilien für rund eine halbe Million Euro zum Kauf angeboten. Noch allerdings gibt es Widerstand, diverse Anwohner haben sich Anwälte genommen, der Mieterverein wurde eingeschaltet, die zuständige Denkmalschutzbehörde und die Politik. Die Hoffnung allerdings, von dort Hilfe zu bekommen, ist außerordentlich gering. Denn es war eine politische Entscheidung, die landeseigene Siedlung, die 1920 nach Plänen des Berliner Stadtbaumeisters Ernst Hornig errichtet worden war, in den 80er Jahren an das Immobilienunternehmen GSW zu verkaufen.

Der Anfang vom Ende, wie viele Anwohner meinen, da seitdem immer mehr Schäden an der Bausubstanz ignoriert und viele Häuser dem Verfall preisgegeben wurden. Hinzu kam, dass freier Wohnraum, der in der Vergangenheit auch durch das Ableben von Mietern entstand, über Jahre hinweg nicht neu vermietet wurde. Ein Vorgehen mit System, wie sich später herausstellte, da der Kauf durch die jetzige Eigentümerin für diese ja nur interessant war, weil das Tegeler Paradies als in einigen Teilen befreit von störenden Altmietern übergeben werden konnte.

Ulf Teichert / Bild: Alex Freundorfer

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