Die Skat-Könige aus Marzahn

Freizeit Die Spieler des Marzahner Skatclubs sind ein starkes Team

Den Blick auf seine Trophäen genießt Hans-Joachim Hinte gern mit einer Tasse Kaffee in der Hand. Die 25 Pokale, die Hinte auf Skat-Turnieren gewonnen hat, stehen aufgereiht auf einem Regal in seinem Wohnzimmer. Stolz ist Hinte auf seine Pokale schon, aber eigentlich geht es ihm beim Skat gar nicht um das Gewinnen. Skat ist für Hinte nicht einfach nur ein Spiel, es ist wichtiger Teil seines Lebens.

Früh angefangen

Seit 45 Jahren ist Hinte dem Skat verfallen. Langweilig wird ihm das Kartenspiel nie. „Das Spannende an dem Spiel ist, dass es immer anders ist. Es kommt vielleicht zweimal im Leben vor, dass ein Spieler dasselbe Blatt in der Hand hat“, sagt Hinte. Sein erster Skatabend war ein Pflichttermin. Hinte war 17 Jahre alt, wollte dem Vater seiner damaligen Freundin imponieren und hatte eingewilligt, den vermeintlichen Schwiegervater in spe zum Skat zu begleiten. „Ich habe das Spiel sofort gemocht, weil ich mir dabei viel merken und nachdenken musste“, so Hinte. Von seiner damaligen Freundin hat sich Hinte getrennt, seine Liebe zum Skat ist geblieben und über die Jahre gewachsen. Heute ist der leidenschaftliche Zocker Vorsitzender des Marzahner Skatclubs. Einem Traditionsclub, den es seit fast 20 Jahren gibt. 40 Frauen und Männer spielen in dem Verein. Die jüngste Mitspielerin ist 23, der älteste Spieler 76 Jahre alt.

Die Truppe trifft sich seit vier Jahren in dem Lokal Zum fröhlichen Bauernhof. Jeden Dienstag sind in der ehemaligen Scheune ab 18 Uhr sieben der dunklen Holztische für die Gruppe reserviert. Nach und nach trudeln die Vereinsleute ein. Es wird angestoßen, sich unterhalten. Um 20 Uhr zücken die Skatspieler die Karten. Dann geht es los, es spielt jeder gegen jeden. Eine Tabelle erfasst Siege und Niederlagen. Am Ende des Jahres verrät die Tabelle, wer sich zum Clubmeister gezockt hat. Im vergangenen Jahr bekam den Ritterschlag René Weichbrodt. Der 32-jährige Skatkönig ist einer der wenigen Jungspunde im Verein. Das Spiel sei zu unrecht nicht besonders populär bei jungen Menschen, meint Hinte. „Skat ist ein kniffeliger Denksport. Es geht nicht darum, sich zu besaufen und nebenbei langweilig Karten zu spielen“, sagt der Vereinsleiter.

Erfolgreiche Damen

Regelmäßig nimmt der Club an Turnieren teil. Der Ablauf der Turniere ist ähnlich aufgebaut wie die Bundesliga beim Fußball. Der Marzahner Skatclub ist im Spielbetrieb kein Unbekannter mehr. Der Verein hat sich von der Verbandsliga drei Stufen hoch, in die Oberliga gekämpft. Am erfolgreichsten sind die Damen des Clubs. Sie haben sich im Mitte dieses Jahres sogar in der Bundesliga gezockt. Gespielt wurde bei dem Turnier, wie bei jedem Skat-Abend des Marzahner Clubs auch, nach den international geltenden Skat-Regeln. Darüber, dass die Regeln sorgfältig eingehalten werden, wacht ein Skatgericht. Solle es mal Streit um die richtige Auslegung der Regeln geben, kann der Fall vor dem speziellen Gericht in Altenburg landen.

Ein Skatschiedsrichter klärt dann, wer recht hat. Das Einhalten der Regeln sei natürlich wichtig, aber verbissene und siegesfixierte Vereinsmitglieder will Hinte nicht um sich haben. „Eigentlich ist es nicht wichtig, ob jemand gut Skat spielt oder nicht. Wichtig ist, dass keine Stänker-Heinis bei uns dabei sind“, sagt Hinte, der sich neue Mitglieder für den Verein wünscht. Das Vereinsleben sei viel mehr als nur das gemeinsame Spielen. „Wir feiern zusammen Geburtstage und Weihnachten, das ist für uns wichtiger als jeder
Sieg“, so Hinte.

Nasiha Ahyoud / Bild: Anne Langert

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