Berlins Brücken sind Pflegefälle

Verkehr: Die Spandauer Freybrücke ist eine von 75 Brücken, die dringend saniert werden müssen

Bröckelnder Putz, verrostete Pfeiler, gefährliche Risse und Schlaglöcher im Straßenbelag: Berlins Brücken sind zu echten Problemfällen geworden. 75 von ihnen sollen in den kommenden Jahren saniert werden. Seit Anfang letzten Jahres sind die Arbeiten an der Spandauer Freybrücke in vollem Gange. Jeden Tag stecken tausende Autofahrer an der Heerstraße in der Staufalle. Mitte des Monats hatte sich die Brücke abgesenkt, musste aus Sicherheitsgründen für Laster und Busse komplett gesperrt werden (Berliner Abendblatt berichtete).

Busverkehr eingeschränkt

Mittlerweile dürfen zwar Fahrzeuge bis 18 Tonnen die Brücke wieder passieren. Aber für die schweren Doppeldecker der BVG bleibt sie weiter gesperrt. Dadurch ist der Busverkehr erheblich eingeschränkt. Für die Linie M 49 werden aktuell Eindecker-Busse im Zehn-Minuten-Takt eingesetzt. Darin finden nur 60, statt normalerweise rund 100 Personen Platz. „Da die Fahrgastkapazität dadurch erheblich reduziert wird, empfehlen wir zwischen den Bahnhöfen Olympiastadion und Spandau alternativ die S-Bahnlinie 5 zu nutzen“, rät die BVG. Ab dem 10. Februar sollen die Busse M 49 alle sechs bis sieben Minuten fahren. Die BVG plant dafür den Einsatz der Eindeckerfahrzeuge der Linie X 49. Deren bisherige Route wurde bis auf Weiteres eingestellt. Der X 34 fährt von Kladow ab Heerstraße über die Gatower und die Wilhelmstraße zum Rathaus Spandau, statt wie bisher zum Bahnhof Zoo. Um den gesamten Busverkehr über die Freybrücke mit Eindeckerbussen zu ersetzen, reichen die Fahrzeugkapazitäten der BVG nicht aus. Wer die Freybrücke umfahren will, muss 30 bis 45 Minuten mehr einplanen.

„Spandau hat jetzt Insellage“, sagt BVG-Sprecherin Monika Reetz zur augenblicklichen Verkehrssituation. Wie lange dieser Zustand anhält, ist noch ungewiss. Die Übergangsbrücke, die für März geplant war, wird nicht vor dem Sommer zum Einsatz kommen. Die Sanierung kostet 33 Millionen Euro und dauert noch bis zum nächsten Jahr. Den Großteil der Kosten zahlt der Bund. 5,5 Millionen Euro werden laut Senat vom Land Berlin getragen.

Marode Brücken

Die Freybrücke ist nur eine von rund 50 Berliner Brücken, bei denen bei der letzten Prüfung ein Wert zwischen 3,0 (ausreichend) und 4,0 (ungenügend) ermittelt wurde. „Unter dem Wert 3,5 liegen zum Beispiel die Löwen-Brücke, die Tegeler-Hafen-Brücke und die Potsdamer Brücke“, sagt Senatssprecherin Daniela Augenstein. Rund 75 der über 1.000 Berliner Brücken sollen in den kommenden Jahren erneuert werden. „Wegen des hohen Verkehrsaufkommens werden teilweise Brücken mit besseren Werten schneller saniert“, sagt Augenstein. Wie viel Geld die Sanierungen verschlingen werden, steht noch nicht fest.

„Der Verfall von Brücken ist deutschlandweit ein großes Thema“, sagt die Senatssprecherin. In der Hauptstadt liege das unter anderem an dem „Schuldenberg, den Berlin angehäuft hat“. Allerdings habe sich auch das Bewusstsein geändert. „Die Bürger können sich darüber freuen“, meint Augenstein. „Die Arbeiten an den Brücken werden jetzt in Angriff genommen, es wird mehr investiert und die Infrastruktur dadurch verbessert.“ Die Arbeiten bringen aber eins ganz sicher mit sich: Staus und Sperrungen wie jetzt auf der Freybrücke.

Anna Wengel / Bild: Alexander Freundorfer

 

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