Streit um RAW-Gelände

Antrag: Initiative fordert langfristigen Erhalt des Kulturensembles an der Warschauer Straße

Das RAW-Gelände mit Clubs, Skaterhalle und Indoor-Klettern ist ein Besuchermagnet. Dennoch tobt seit Jahren ein Streit um seine Zukunft. Investoren planen umfangreichen Wohnungsneubau. Nun hat eine Anwohner-Initiative einen Antrag zum Erhalt des Kulturensembles bei der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) eingereicht.

Viele Akteure

Das frühere Ausbesserungswerk der Reichsbahn wird seit den 1990er Jahren kulturell genutzt. 2007 erwarb die Real Estate Development GmbH (R.E.D.) das Gelände und strebte eine dichte Bebauung mit Wohnhäusern an. Doch nach juristischen Auseinandersetzungen unter Teilhabern der R.E.D. bildet sich 2010 die BNRE Investment GmbH heraus, die heute ebenfalls große Teile des Gebiets verwaltet. Trotz eines 2012 vor Gericht ausgehandelten Friedensvertrags, sind beide Immobiliengesellschaften noch immer zerstritten.

Mit den Gewerbetreibenden, der Initiative und den zwei Investoren hat sich hier eine komplizierte Gemengelage gebildet. „Wir wollen mit unserer Initiative die kulturelle Nutzung der drei „E“ erreichen“, erklärt Christoph Casper, die Idee des Anwohnerantrags. „Erhalt, Entwicklung, Etablierung.“ Anfang 2013 gründete sich die Initiative und hat einen festen Kern von zehn Aktiven. „Anlass für uns war der geplante großflächige Wohnungsneubau auf dem Gelände“, führt Casper weiter aus. Die Bewegung sähe sich als Fortführung früherer Bemühungen um den Erhalt der kulturellen Nutzung. 2001 gab es einen Ideenwettbewerb für das Gelände. Danach sei das Thema immer mehr versandet. Casper: „Wir wollen es wieder beleben und in die Öffentlichkeit bringen.“

Dass die kulturelle Nutzung erhalten bleiben sollte, wird inzwischen von allen Seiten akzeptiert. Auch die Investoren bekennen sich dazu. Die Initiative glaubt allerdings noch nicht, dass daraus für sie erschwingliche Mieten folgen. Doch die R.E.D. möchte sich nicht als böser Investor verstanden wissen. Die meisten Nutzer sind bis 2019 mit Zwischenmietverträgen ausgestattet. „Wir haben Mieten von 1,50 Euro pro Quadratmeter, sagt Klaus Wagner von der R.E.D. „Das liegt weit unter vergleichbaren Mieten in öffentlichen Gebäuden.“ Fast könne man von einer Subventionierung der dortigen Mieter reden. Casper sieht das anders: „Alle Folgekosten und nötigen Investitionen müssen von den Nutzern selbst vorgenommen werden, so dass die reale Miete weit darüber liegt.“ Auch mache die R.E.D. den Mietern das Leben unter fadenscheinigen Begründungen schwer. Wagner hingegen beruft sich auf baurechtliche Zwänge, auf die er als Eigentümer achten müsse: „Wenn es brennt und der Brandschutz nicht ausreichend war, hafte ich persönlich.“ Nach Meinung der Initiative geht die BNRE sehr viel zurückhaltender vor und lasse den Mietern mehr Freiraum.

Langer Weg

In der Politik schätzt man das kulturelle Angebot auf dem RAW-Gelände. Jana Borkamp (Grüne), Bezirksstadträtin für Kultur, sieht eine „ganze Palette“ kultureller Nutzungen und fordert: „Diese Vielfalt sollte erhalten bleiben!“ Sie sieht in der Kreativkultur einen wirtschaftlichen Faktor, den der Bezirk nicht unterschätzen sollte. „Das Profil des Standorts sollte erhalten bleiben“, sagt sie. Mit einem baldigen Kompromiss rechnet sie dennoch nicht.

Thorsten Mumme / Bild: Anne Langert

 

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