Wärmehalle am Innsbrucker Platz

Kältehilfe: 60 zusätzliche Übernachtungsplätze für Berliner Obdachlose geschaffen – Stadtmission bangt um die Finanzierung des Projekts

Besonders im Winter sind obdachlose Menschen auf warme Schlafplätze angewiesen. Rund 200 davon bietet die Berliner Stadtmission in der kalten Jahreszeit in Berlin an. „Das sind immer noch viel zu wenig“, sagt Ortrud Wohlwend von der Stadtmission, die die Zahl der Obdachlosen auf der Suche nach einem Schlafplatz im Winter auf mindestens 1.000 in Berlin schätzt. Deshalb sei sie erleichtert über die neue Kooperation zwischen der Berliner Stadtmission und dem Unternehmen „Care-Energy“ aus Hamburg. Dieses sorgte für den Aufbau einer Wärmelufthalle am alten Güterbahnhof Wilmersdorf und mietete gleichzeitig das Gelände von der Deutschen Bahn. Doch die Freude ist getrübt. Denn die Finanzierung des Projekts steht trotz der Spende von Care-Energy auf äußerst wackeligen Beinen.

Halle steht bis Ende April. 60 Feldbetten stehen am Innsbrucker Platz für die Obdachlosen bereit. In modernen Sanitärcontainern wurden Duschen installiert, eine Küche bietet warme Verpflegung und sogar eine Waschmaschine ist vorhanden. Obdachlose Gäste können hier auch medizinisch versorgt werden. Zehn Mitarbeiter der Berliner Stadtmission sind rund um die Uhr vor Ort und kümmern sich um die Besucher. Die 1.100 Quadratmeter große Halle ist von innen beheizt. „Mit einer Höhe von rund zehn Metern kann man sie schon von weitem erkennen“, sagt Marc März, Pressesprecher von Care-Energy. Die Halle bleibt bis Ende April auf dem Gelände stehen. Dann wird sie wieder abgebaut. „So lange läuft auch der Mietvertrag mit der Deutschen Bahn“, sagt März. Ob in der nächsten Kälteperiode erneut ein Gelände gefunden wird, auf dem die Wärmelufthalle aufgebaut werden kann, stehe noch nicht fest. Über 300.000 Euro stellt Care-Energy für dieses berlinweite Pilotprojekt zur Verfügung. Hans-Georg Filker, Direktor der Berliner Stadtmission, ist der Deutschen Bahn und Care-Energy dankbar, dass sie Menschen in Not unterstützen. „Die Situation ist sehr angespannt. Unsere große Notübernachtung am Hauptbahnhof hat ihre Kapazitätsgrenzen erreicht, beherbergt Nacht für Nacht 150 bis 200 obdachlose Gäste.“ Deshalb sei das Angebot von Care-Energy, die Wärmelufthalle am Innsbrucker Platz zu errichten, gerade recht gekommen. „Damit wollen wir jetzt Erfahrungen sammeln“, so Filker, „und prüfen, wie weiterführende Hilfen umgesetzt werden können.“ Doch wie die Kosten, die die Unterkunft mit sich bringt, aufgefangen werden sollen, ist unklar. Ortud Wohlwend berichtet: „Unsere anderen Notunterkünfte werden durch die jeweiligen Bezirke finanziell unterstützt. Tempelhof-Schöneberg hat sich dahingehend aber bisher zurückgehalten.“ Bei der Kostendeckung gehe es um Posten wie Personal, Essen, medizinische Versorgung. Betten, Wäsche und vieles mehr. „Wir hoffen jetzt auf Spenden und darauf, dass der Bezirk doch noch einen Schritt auf uns zu macht“, sagt Wohlwend.

Von der neuen Halle seien die obdachlosen Gäste allerdings begeistert. „Die Halle hat jetzt seit knapp zwei Wochen geöffnet und ist restlos voll“, so Wohlwend. Ob das Modellprojekt in den nächsten Jahren Nachahmer finden wird, sei aber unsicher. „Vor allem hoffe ich, dass sich viele Menschen durch so ein Projekt ins Bewusstsein rufen, dass Obdachlose im Winter menschenwürdig untergebracht werden müssen.“

Sara Klinke / Bild: Care-Energy

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