Wohnen ohne Hindernisse

Barrierefreiheit: Gewobag startet Neubauprojekt / Behindertenbeauftragte fordert günstige Mieten

Der demografische Wandel hat den Bezirk unübersehbar im Griff. Genügend altersgerechten und barrierefreien Wohnraum zu schaffen, ist daher einer der zentralen Herausforderungen. Das städtische Wohnungsbauunternehmen Gewobag kündigt nun an, bis zum Ende des kommenden Jahres 98 barrierefreie Wohnungen in Alt-Treptow zu errichten. An der Kiefholzstraße 403 und 404 sind demnach zwei Wohnhäuser geplant, derem Wohnungsgrößen reichen von 42 Quadratmeter (1,5 Zimmer) bis über 100 Quadratmeter (vier Zimmer) reichen. Alle Wohnungen verfügen über einen Balkon oder eine Loggia, Parkettfußböden und Dachbegrünung. Die Neubauten werden zudem nach Niedrigenergiestandard realisiert, um die Betriebsnebenkosten möglichst niedrig zu halten. Ein Drittel der Wohnungen wird laut Gewobag für Quadratmeterpreise von 7,50 Euro bis unter zehn Euro vermietet.

Erzwungener Auszug

Was die Gewobag als großen Wurf in Sachen Barrierefreiheit betrachtet, geht für die Gabriele Rühling, die Behindertenbeauftragte des Bezirks, an der Klientel vorbei. „Selbst 7,50 Euro sind für viele Menschen mit Behinderung unerschwinglich“, sagt sie. „Es ist gut, dass die Substanz erweitert wird, aber das Zielpublikum muss sich die Wohnungen auch leisten können.“ Die Fälle, dass Mieter ihre weitaus günstigere Wohnung verlassen müssen, würden sich häufen, sagt sie. Rühling sieht den Senat in der Pflicht, bezahlbaren Wohnraum für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zu schaffen. Trotz punktueller Fortschritte wie in der Kiefholzstraße sei der Bedarf im Bezirk immens.

Jürgen Schneider, der Landesbeauftagte für Menschen mit Behinderung, schätzt, dass derzeit zehn Prozent der Bevölkerung auf Barrierefreiheit zwingend angewiesen sind. Der Anteil an barrierefreien Wohnungen liegt nach Berechnungen der des Berliner MieterGemeinschaft e. V. allerdings nur bei gut einem Prozent. „Es gibt schon jetzt nicht wenige alte Leute, die ihre Wohnungen nicht mehr verlassen, weil sie die Treppen nicht mehr bewältigen“, so eine Sprecherin. Deren Anteil werde bis zum Jahr 2030 weiter zunehmen.

Weitere Informationen

www.berlin.de/lb/behi/barrierefrei/ oder
www.behindertenbauftragte.de
Tel.: (0 30) 9028-2917

Nils Michaelis 

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