Die unsichere Zukunft der Theaterkapelle

Kiez-Kultur: Der alte Mieter muss raus, er kann die Miete nicht mehr bezahlen

Seit sieben Jahren ist die Theaterkapelle in der Boxhagener Straße fester Bestandteil des Kulturlebens in Friedrichshain. Ende März müssen die aktuellen Mieter raus, sie haben kein Geld mehr. Was dann mit dem ältesten Gebäude Friedrichshains passiert, ist noch ungewiss. Das Bezirksamt will sich dafür einsetzen, dass der Ort weiter kulturell genutzt wird. Denn es gibt viel zu wenig Kulturstandorte im Boxhagener Kiez. „Im kommerziellen Bereich verändert sich hier wahnsinnig viel“, sagt die für Kultur zuständige Bezirksstadträtin Jana Borkamp (Bündnis 90/Die Grünen). „Das ist leider nicht immer zum Vorteil der Menschen, die schon lange hier leben. Die Theaterkapelle war kieznah und hat auch ein entsprechendes Programm angeboten.“

Sechs Interessenten

Besitzer der Kapelle ist der Evangelische Friedhofsverband Berlin Stadtmitte. Der Geschäftsführer, Pfarrer Jochen Quandt, will sich nach Ablauf des Mietvertrags im März erst mal einen Überblick über den Zustand des Gebäudes verschaffen. „Wir haben es nicht eilig. Sechs Interessenten haben sich um das Gebäude beworben. Wir wollen in Ruhe mit allen reden und dann entscheiden, an wen wir die Kapelle vermieten. Es besteht auch die Möglichkeit, dass wir das Gebäude verkaufen. Grundsätzlich sind wir aber daran interessiert, dass das Gebäude weiterhin kulturell genutzt werden kann“, so Quandt. Aktueller Mieter ist der Verein Theaterkapelle 10245 e. V. Ende letzten Jahres fand die letzte Vorstellung statt, denn der Verein hat kein Geld mehr. Bisher wurde er vom Berliner Senat mit einer Spielstättenförderung von 30.000 Euro unterstützt. Da man dort mit der Entwicklung des Theaters nicht zufrieden war, wollte die Senatskanzlei einer Förderung für das Jahr 2014 nur bei einer Beteiligung von 10.000 Euro durch das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg zustimmen. „Das Bezirksamt hat dieses Geld nicht. Wir haben der Senatskanzlei vorgeschlagen, das Projekt mit 5.000 Euro zu unterstützen. Wir warten noch auf Rückmeldung, ob das ausreicht“, sagt die Stadträtin.

Kieznahes Programm

Ein weiterer Interessent ist Ingo Vaupel, der mit seiner Big Band mehrere Jahre das Friedrichshainer Publikum in den Keller der Kapelle lockte. Er war selbst Mitglied des Vereins Theaterkapelle, bis es zu einem Zerwürfnis mit der künstlerischen Leiterin Christina Emig-Könning kam. Mit seinem Verein Knochenbox e. V. und der Unterstützung anderer Künstler, wie der international bekannten Jazz-Größe Gunter Hampel, will er ein kieznahes Programm mit Theater, Tanz, Musik und Workshops für Kinder und Erwachsene anbieten. „Die Miete von 500 Euro, Unterhaltungskosten und Sanierungsarbeiten können wir problemlos finanzieren und wenn der Evangelische Friedhofsverband sich dazu entscheidet, die Kapelle zu verkaufen, wird uns eine Schweizer Stiftung unterstützen“, erklärt Vaupel.

Julia Backes / Bild: Marko Krojac

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