Viele Bedenken beim Gedenken

Jubiläum: Nachbarn wollen mehr Mitspracherecht beim Umbau am Mühlengrund

„Ich bin mir sicher, die besten Jahre für Hohenschönhausen liegen noch vor uns“, sagte Bürgermeister Andreas Geisel (SPD), bei der Feierstunde zur Enthüllung der Gedenktafel, die an das dreißigjährige Jubiläum des Wohngebiets Mühlengrund erinnern soll. Ein Satz, der vielen Menschen im Bezirk Mut macht. Wenn da nicht das Problem mit dem bevorstehenden Umbau wäre.

Intakte Nachbarschaft

Dort, wo jetzt am Grünstreifen in der Rüdickenstraße das blank polierte Täfelchen steht, zogen in den ersten Jahrzehnten des DDR-Sozialismus noch Trecker und Mähdrescher ihre Furchen und Fahrrinnen über Äcker und Felder. „Hohenschöngrünkohl“ lautete der Spitzname der Gegend, ehe Mitte der 80er Jahre auf SED-Politbüro-Beschluss eines der größten Wohnungsbauprojekte der DDR hier verwirklicht wurde. Das Leben im Viertel mit den 30.000 Wohnungen für gut doppelt soviel Menschen funktionierte rund 20 Jahre lang. Und auch der Stadtplatz am Mühlengrund mit seinen Läden, dem Restaurant und dem Ärztezentrum war lange Zeit das intakte Zentrum in der Nachbarschaft. Seit ein paar Jahren ist jedoch der Wurm drin. Gewerbe zog aus, die Gebäude am Platz verfielen und das große Mühlenrad des Denkmal-Brunnens schaufelt schon seit vielen Jahren kein Wasser mehr in den kleinen angelegten Bach, der sich über den Stadtplatz schlängelt. Abriss und Neubau hat der neue Investor bereits genehmigt bekommen. Alles soll schöner und höher, aber auch, so befürchten die Anwohner, teurer werden. Schon seit einigen Wochen sammelt das KiezAktiv Mühlengrund Unterschriften, um noch Kompromisse zum Projekt „Neue Mitte Mühlengrund“ zustande zu bringen. Marko Frenzel vom KiezAktiv erklärt dazu: „Statt der Flachbauten sollen zwei sechs- und ein achtgeschossiges Wohnhochhaus errichtet werden. Die Anwohner hier fürchten diese Klötze.“ Der Knackpunkt sei vor allem, dass bei 372 geplanten Wohnungen mit einer Frequentierung von doppelt so vielen Menschen zu rechnen ist. Bereits jetzt sei der Anteil von Grün- und Parkflächen kaum ausreichend.

Genügend Ärzte

Und auch in der Arztversorgung sieht die Bürgerinitiative große Probleme auf den Kiez zukommen. „Hohenschönhausen ist bereits jetzt fachärztlich unterversorgt“, sagt Frenzel. Und er befürchtet, dass sich nach dem zweijährigen Umbau kaum Nachfolger für die noch vorhandenen Arztpraxen finden werden. Die Hauptsorge bestünde aber vor allem darin, dass die höheren Mieten in den neuen Gebäuden dafür sorgen könnten, dass auch der Mietspiegel in der Nachbarschaft angeglichen würde. Teure Wohnungen im Ortsteil wären die Folge. Frenzel: „Grundsätzlich begrüßen wir es, die heutige Tristesse hier zu verändern und das Wohngebietszentrum auch zukunftsfähig und mit lebendiger Nutzung zu füllen. Leider werden die Bürger hier noch zu wenig einbezogen, wenn es darum geht, den Ort mitzugestalten.“ Und, dass das Bürgerengagement zu richtig guten Ergebnissen führe, zeige nicht zuletzt auch der Erhalt und die Sanierung der Brunnenkunst am Platz. „Rund 400.000 Euro hat der Bezirk dafür akquirieren können. Ohne den Einsatz der Nachbarschaft hätte sich die Politik zu dieser Maßnahme kaum bewegen lassen können“, so Frenzel.

Termin arrangiert

Aktuell sind über 500 Unterschriften in den vergangenen Wochen bei den Sammlungen vor Ort zusammengekommen, die eine größere Bürgerbeteiligung an den Neugestaltungen des Investors fordern. Am 5. Mai hat das KiezAktiv Mühlengrund im ehemaligen Ladengeschäft der Drogerie Schlecker dazu ab 18 Uhr einen Termin arrangiert, zu dem Politiker, Nachbarn und der Investor ihre Ansichten von der „Neuen Mitte im Mühlengrund“ austauschen können.

Foto:Bezirksbürgermeister Geisel (li.) und Stadtteilhistoriker Dr. Meyerhöfer bei der Enthüllung der Gedenktafel

Stefan Bartylla (Text und Bild)

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