Die Friedrichstadt wird kreativ

Projekt: Im Süden des Kiezes ist ein neues Stadtquartier mit viel Kultur geplant

Seit 2012 ist an der Lindenstraße neues Leben eingekehrt. Die Akademie des Jüdischen Museums zog mit Bibliothek, Archiv sowie Forschungs- und Bildungseinrichtungen in den ehemaligen Blumengroßmarkt und gab der in der Öffentlichkeit wenig beachteten Fläche neuen Sinn. Doch bald könnte es dort noch lebendiger werden. Ende 2014 sollen rund um die Akademie Bauarbeiten für ein neues Stadtquartier beginnen.

Kreativquartier

Auf sechs Baufeldern zwischen der Friedrichstraße, dem Besselpark und der Lindenstraße sind Neubauten verschiedener Träger geplant. Beworben wird es als Kreativquartier. Tatsächlich überzeugte das Konzept zur Entwicklung des neuen Viertels den Vorbesitzer, die landeseigene Gesellschaft „Berliner Großmarkt“, so sehr, dass in einem umfangreichen Vergabe-Verfahren sogar höher dotierte Angebote abgelehnt wurden. Nun soll eine Mischung aus Kreativwirtschaft und Kultur, verschiedenen Wohnformen und kleinteiligem Gastgewerbe und gemeinnützigen Einrichtungen für Bildung und Soziales entstehen. Einige Grundstücke wurden dabei direkt vergeben. So werden die Tageszeitung (TAZ) und die Landau Media AG ihre Hauptsitze in das neue Viertel verlagern. „Diese direkte Vergabe war eine strukturelle Entscheidung zur Stärkung des Zeitungsviertels“, sagt Florian Schmidt, Projektleiter des Quartiers. Auch die Ärztekammer erhielt einen direkten Zuschlag. Zum kreativen Konzept gehören allerdings auch andere Bauvorhaben. Etwa das Projekt FRIZZ23: „Dabei handelt es sich um ein Nutzungskonzept mit Berufsbildung, einer Gewerbebaugruppe mit Schwerpunkt auf Kreativwirtschaft und ein Apartmenthaus“, erläutert Schmidt. Ebenso das Projekt Interkulturelles Mosaik: Die Eigentümer der Wohnungen besitzen gemeinsam auch das Erdgeschoss und vermieten es zu Betriebskosten an Kulturprojekte. „Eine innovative Idee, wie man rein privat Raum für Kultur erschließen kann“, sagt Schmidt. Des Weiteren entsteht ein integratives Bauprojekt aus Baugruppen und Genossenschaften. Insgesamt werden etwa 40 Prozent der Geschossfläche Wohnungen sein. Das gesamte Investitionsvolumen liegt zwischen 150 und 200 Millionen Euro.

Dialogischer Prozess

Begleitet werden soll der Prozess von dem Projekt Bauhütte. 2012 ins Leben gerufen, soll es ab 2014 in Form eines Containers vor Ort für drei Jahre Anlaufpunkt für Fragen zum neuen Quartier werden. Die Bauhütte soll als Job- und Ausbildungsvermittlung ebenso dienen wie als Informationsstelle und Vernetzungspunkt. „Ziel ist es, den Dialog, wie er bislang geführt wird, beizubehalten“, betont Schmidt. „Die Bauhütte soll keine Marketingbox werden, sondern eine Dialogmaschine.“ Auch die Bindung zur Umgebung ist ihm wichtig: „Die Nachbarschaft ist sozial eher schwach. Sie soll von diesem Projekt profitieren.“ Aus der Politik kommen wohlwollende Worte für das Projekt. „Das Vergabeverfahren kann Vorbild-Charakter haben“, sagt John Dahl (SPD), Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses des Bezirks. Er lobt auch die Grundidee, mit einem Kreativquartier den Medienstandort zu stärken. Es seien jedoch noch weitere Maßnahmen, wie ein Verkehrskonzept, nötig, um das neue Quartier in die Umgebung zu integrieren.

Foto: Rund um die Akademie des Jüdischen Museums wird sich einiges tun.

Thorsten Mumme / Bild: Josephine Klingner

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