Steuerfahnder vertreiben Kultur-Ensemble

Standort: Neue Nutzung des Rathauses Friedenau macht das Theater Morgenstern heimatlos

Düstere Wolken über dem Theater Morgenstern: Weil im Frühjahr 2015 die Steuerfahndung und die Abteilung für Strafsachen des Finanzamtes in das Rathaus Friedenau ziehen, droht dem beliebten Ensemble, das seit 1998 im Schlesiensaal des Gebäudes beheimatet ist, das Aus. Die Steuerfahnder legen Wert auf Diskretion und Sicherheit und dulden keinen Publikumsverkehr.

„Wir wollen vom Bezirk wenigstens die Zusage, dass wir so lange bleiben können, bis wir eine räumliche Alternative gefunden haben“, sagt Pascale Senn Koch, die gemeinsam mit ihrem Mann Daniel das Theater gegründet hat. Das Ensemble hatte erst aus den Medien von der Schließung erfahren. „Der Bezirk will sparen und ist froh, wenn er das Rathaus los wird, unser Schicksal interessiert da nicht“, so Koch. Doch die Morgenstern-Truppe kämpft um ihre künstlerische Heimat und will mit mehreren bühnenreifen Aktionen auf ihre Vertreibung aus dem Schlesiensaal aufmerksam machen. So haben die Schauspieler zum Beispiel schon begonnen das Requisitenlager aufzulösen.

Das Inventar wurde an die Abgeordneten des Bezirks mit der Bitte verteilt, die einzelnen Stücke so lange zu lagern, bis ein neuer Spielort gefunden ist. Sobald sich eine Lösung abzeichnet, will das Theater die Requisiten wieder zurücknehmen. So wurde Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler eine Krone und dem für die Nutzung des Rathauses zuständigen Baustadtrat Daniel Krüger ein Winkel überreicht. Mit dem Aufstellen von großen Transparenten vor dem Rathaus wollten Koch und ihr Ensemble ebenfalls auf ihre Situation hinweisen, allerdings ohne Erfolg. „Ein Rathaus ist ein Ort der Neutralität, auch wenn in den politischen Gremien des Bezirks­amtes selbstverständlich die Öffentlichkeit betreffende Themen wie auch das Kulturangebot kontrovers diskutiert werden. Ihre Aufsteller wurden daher entfernt und befinden sich nunmehr auf dem Hof des Rathauses“, wurde bereits einen Tag später den Theaterleuten mitgeteilt. „Wir werden nun einen offiziellen Antrag beim Bezirksamt zum Aufstellen auf dem Breslauer Platz einreichen. Vielleicht ist das ja ein öffentlicher, und kein neutraler Ort“, erklärt Pascale Senn Koch.

Foto: Alex Schmidt kämpft um das Theater.

 

Tanja von Unger / Bild: Theater Morgenstern

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