Vom trüben Tümpel zum Badeort

Natur: Um den Wilhelmsruher See steht es schlecht – Anwohner fordern eine Sanierung

Nahe des Waldparks Schönholzer Heide errichtet eine Firma derzeit in der Marthastraße ein neues Wohn­ensemble mit Blick auf den Wilhelmsruher See. 26 Eigentumswohnungen entstehen dort und zwei Doppelhaushälften. Das Projekt trägt den Namen „Am See“ und wirbt ausdrücklich mit dem idyllischen Naherholungsgebiet am Wasser. So richtig idyllisch ist es hier aber schon länger nicht mehr. Es modert und muffelt, tote Fische treiben auf der Wasseroberfläche: der Wilhelmsruher See, im Volksmund auch liebevoll Ententeich genannt, ist kaum noch ein Erholungsgebiet. Im Hochsommer weht der Geruch über die angrenzenden Straßen. Das Wasser verfärbt sich dann dunkelgrün und ein schleimiger Algenfilm bildet sich – der See kippt. Dennoch ist und bleibt der See Mittelpunkt vieler Freizeitausflüge der Anwohner. Und die wünschen sich seit langem eine Sanierung. Daher hat die Abteilung Wilhelmsruh-Rosental der örtlichen SPD nun einen Antrag auf eine Sanierung des Sees gestellt. Gebraucht wird ein Konzept zur Verbesserung der Wasserqualität.

Anwohner beteiligen

„Der See ist ein beliebter Treffpunkt für alle Anwohner. Dort gehen wir spazieren, joggen oder im Winter eislaufen. Kinder spielen, Ältere setzen sich auf die Bänke und viele lassen einfach die Seele baumeln“, sagt Leonie Gebers, Vorsitzende der SPD Wilhelmsruh-Rosenthal. Zur Vorbereitung einer eventuellen See-Sanierung wurde bereits vor einiger Zeit ein Ingenieurbüro mit einem vorläufigen Gutachten beauftragt. Das Ergebnis: Der See kippt regelmäßig im Sommer. Aus Sicht der Experten besteht entsprechender Handlungsbedarf. Ein wichtiger Aspekt bei der dringend erforderlichen Renaturierung und der Erstellung eines Sanierungskonzeptes ist für die SPD die Beteiligung der Anwohner. Hierzu möchte man zeitnah unterschiedliche Ideen zur Diskussion stellen. Viele Anwohner würden sich etwa wünschen, im See wieder schwimmen zu können, sagt Leonie Gebers. „Wir wollen, dass das Bezirksamt die Wilhelmsruher bei der Erarbeitung eines Sanierungskonzeptes anhört und einbindet“, so Gebers. Die SPD will nach der Sommerpause eine öffentliche Diskussions- und Informationsveranstaltung organisieren, bei der sich die Bürger informieren und Vorschläge einbringen können. Der Antrag wird nun im Stadtentwicklungsausschuss beraten.
Aus dem Bezirksamt heißt es indes, dass es der Wilhelmsruher See neben den vielen Baustellen im Bezirk schwer haben wird, überhaupt an die Reihe zu kommen. „Dass am See etwas geschehen muss, ist richtig und für die Anwohner wünschenswert. Aber wir haben nur einen begrenzten Etat und viele Bereiche, die wir damit abdecken müssen“, so Baustadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne). Er verweist auf ähnliche Vorhaben die Jahre dauerten und teilweise scheiterten. Allein die Renaturierung des Schmöckpfuhlgrabens in Heinersdorf habe fünf Millionen Euro gekostet. Am Weißen See wurden ebenfalls mehrere Millionen investiert, ohne die gewünschten Effekte, wie Kirchner berichtet. Immerhin: In der aktuellen Investitionsplanung bis 2017 ist der Umbau der Grünanlage am See mit 400.000 Euro vorgesehen.

Der um 1895 aus einem Torfstich entstandene See hatte viele Jahre ein eigenes Seebad. Ende der 40er Jahre wurden in dem Wasser Keime entdeckt und der Badebetrieb eingestellt.

Tanja von Unger / Bild: Imago/ Schöning

WEITERSAGEN

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden. Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.

Schließen