Wir haben noch einen Tropfen in Berlin . . .

Kultur: Liebeserklärung an einen Kräuterlikör: Mampe bekommt ein eigenes Museum
An die erste Verführung erinnert sich Karin Erb noch ganz genau. Es war in der Kreuzberger Kneipe Möbel-Olfe, als sie den süß-bitteren Geschmack des kleinen Kräuterlikörs zum ersten Mal auf der Zunge spürte. Seitdem ist sie ihm verfallen. Mampe Halb & Halb – ein Berliner Urgestein, das über die Jahre in Vergessenheit geriet und dessen verstaubte Geschichte Karin Erb jetzt wieder in Erinnerung rufen will. „Selbst David Bowie spazierte 1978 im Film „Schöner Gigolo, armer Gigolo“ mit Marlene Dietrich und einer Flasche Halb & Halb durch die Berliner Straßen. Ich musste herausfinden, was es mit den Elefantenaufklebern in den Kneipen auf sich hatte“, erzählt die 38-Jährige. Sie krönte ihre Leidenschaft für die Neuköllner Traditionsmarke mit einer zauberhaften Liebeserklärung: Karin Erb widmet Mampe jetzt ein eigenes Museum.
Akribisch durchforstete sie das Internet, stieß auf die Mampestuben in den 1920er Jahren und den Geheimen Sanitätsrat Dr. Carl Mampe. Der entwickelte 1831 seine „Bitteren Tropfen“ als Antwort auf die Cholera. Später übernahmen die Stiefbrüder Ferdinand Johann Mampe und Carl Mampe Junior die Geschäfte. Letzterer eröffnete 1856 in Köslin eine Likörfabrik, deren Sitz er 1877 nach Berlin verlegte. Von ihm stammt das Rezept für „Mampe Halb & Halb“. 1899 erbte sein engster Freund Robert Exner die Schutzrechte. Der kurbelte gewaltig am Absatz und erfand die berühmt-berüchtigten „Mampes Gute Stuben“. Für viele Berliner sind sie ein Begriff: Am Kurfürstendamm 14 befand sich eine davon.
Über 70 verschiedene Sorten produzierte die Berliner Mampe-AG. Jetzt genießen in dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude die Leute ihren Burger“, erzählt Karin Erb. In den Fenstern zeugen eingravierte Elefanten von den Glanzzeiten des Likörs mit der lieblichen Orangennote. Vom Mobiliar des berühmten Literatentreffs am Ku‘damm, in dem Joseph Roth seinen Radetzkymarsch zu Papier brachte, blieb einzig ein kleiner Tisch mit weiß-blauen Mosaiken übrig. Der steht nun seit Ende Mai in ihrem Museum in der Neuköllner Hertzbergstraße 1. Auf 30 Quadratmetern präsentiert die Medienpädagogin in Glasvitrinen Zeitdokumente wie Arbeitsbücher, Miniaturen und große Flaschen mit seltenen Etiketten, Fotos aus der einstigen Fabrik. Für Besucher dreht sie die Zeit zurück, berichtet vom Aufstieg und Fall der Berliner Traditionsmarke.
Unterstützt wird sie dabei von Tom Inden-Lohmar, der mit Frank Zächel zusammen Mampe Halb & Halb, Gin und Wodka für ganz Berlin produziert. Oft sitzen sie im Museum bei einem Gläschen am Tisch und stoßen darauf an, was die Zukunft so bringen mag. Erbs größter Traum: „Die Mampe-Stube am Ku‘damm wiederbeleben, mit Kneipe, Restaurant, Handabfüllung und natürlich meinem Museum.“
Foto: Auf die Zukunft! Karin Erb und Schnaps-Hersteller Tom Inden-Lohmar.
Josephine Klingner ( Text und Bild)

 

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