Nazis sind raus – aber die Gefahr bleibt

Bilanz: Rechtsextreme Straftaten im Weitlingkiez sind zurückgegangen

Noch ist die völlig verschmierte Fassade des Ladengeschäftes der wenig ansehnliche Blickfang an der Lückstraße 58 im Weitlingkiez. Nazi-Gegner haben hier in den vergangenen Jahren Farbbeutel gegen die Jalousien des ehemaligen Malerfachgeschäftes geworfen. Protest gegen eine Gesinnung, die niemand haben will. Seit März 2011 hatten hier Neonazis aus dem Netzwerk des „Nationalen Widerstand Berlin“ unter dem Decknamen des Tarnvereins „Sozial engagiert in Berlin e. V.“ die Räume angemietet. Hier fanden Neonazitreffen und Veranstaltungen statt und hier wurden Flugblätter, Transparente und Plakate gelagert, so auch die Wahlplakate der Lichtenberger NPD. Die Lückstraße 58 war als Nazi-Treff auch Startpunkt für Propaganda- und Aktionstouren des rechtsradikalen Vereins. Seit Ende Mai ist damit nun Schluss. Der Naziverein musste ausziehen und die Mühen und Initiativen von Vereinen, Parteien und Aktionsbündnissen gegen die rechten Nachbarn hatten den Erfolg auf ihrer Seite. „Ich erwarte nach dem Wegzug des Jugendzentrums jetzt auch weniger Nazi-Spuk im Weitlingkiez“, schildert Ole Kreins, der SPD-Abgeordneter im Berliner Abgeordnetenhaus, seine Hoffnungen für den Ortsteil.

Schlechter Ruf

Aber auch nach dem Auszug des Nazi-Vereins bleibt dem Kiez zwischen S-Bahnhof Lichtenberg und dem Nöldnerplatz immer noch der schlechte Ruf. Grund genug für Kreins, den tatsächlichen Status des Kiezes in einer Anfrage an das Abgeordnetenhaus zu klären. Erfreuliche Nachricht: Im Weitlingkiez hat die Zahl der rechtsradikal motivierten Straftaten in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. Die Polizei registrierte hier im vergangenen Jahr 24 Straftaten mit rechtsextremen Hintergrund. Lediglich vier Fälle politisch rechts motivierter Kriminalität wurden von Tätern begangen, die auch im Weitlingkiez wohnen. Angesichts der berlinweit gezählten 1.361 Fälle im gleichen Zeitraum sind das sehr erfreuliche Zahlen für den Ortsteil. Doch Ole Kreins warnt. „Jeder Fall rechtsextremer Kriminalität ist einer zu viel“, lautet sein grundsätzliches Statement zu dieser Statistik.

Nur Zwischenstand

Kreins weiß schließlich, dass sich solche Ergebnisse auch tagesaktuell von selbst revidieren können. Und diese Erkenntnis belegen weitere Zahlen aus der Antwort zu seiner Anfrage an das Abgeordnetenhaus. Für die Jahre 2005, 2006 und 2011 gab es schließlich auffallend viele rechtsextreme Taten im Vergleich zu den übrigen Jahren. Und das waren jeweils die Jahre der Wahlkämpfe zu den Berlinwahlen. „Es ist augenfällig: Im Vorfeld solcher Wahlen waren die Rechten hier besonders aktiv“, resümiert Kreins. Nach der Schließung der Lückstraße 58 rechnet nun auch der Senat damit, dass Tarnvereine in den Zielbezirken Neukölln, Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg oder Treptow-Köpenick Ersatzräume für die Lückstraße 58 anmieten wollen.

Engagement stärken

Für die Zukunft des Weitlingkiezes möchte Ole Kreins deswegen aber keine Entwarnung in Sachen Rechtsradikalismus aussprechen. Er kennt noch genügend Orte hier, von denen aus solche Straftaten geplant oder ausgeführt werden könnten. Grundsätzlich sei es jetzt besonders wichtig mit Bürgerbeteiligung und Engagement die jüngsten Erfolge gegen rechte Gewalt weiter zu untermauern.
„Mit dem Bündnis für Zivilcourage, Demokratie und Toleranz haben wir hier im Kiez eine funktionierende Initiativstruktur geschaffem. Jetzt gilt es, sich in den Vereinen weiter zu engagieren und diese durch das Engagement zu stärken“, so Kreins‘ Einladung zur politischen Beteiligung für die kommenden Jahre.

Stefan Bartylla / Bild: Stefan Bartylla

WEITERSAGEN

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden. Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.

Schließen