Gemeinsam gegen braune Gesinnung

Engagement: Zentrum für Demokratie feiert zehnjähriges Bestehen und bereitet neue Projekte vor

In einer Hochburg der rechtsextremen Szene kämpft das Zentrum für Demokratie (ZfD) gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und sexuelle Diskriminierung. Es ist die Netzwerkstelle für zivilgesellschaftliche Akteure und politische Organisationen, die dem „nationalen Widerstand“ in Schöneweide keinen Raum lassen, sich aktiv für einen demokratischen und fremdenfreundlichen Bezirk einsetzen wollen. Jetzt feierte das ZfD im Haus des Trägers offensiv‘91 sein zehnjähriges Bestehen: „Das Zentrum macht klar, dass wir im Bezirk für eine demokratische Kultur, eine demokratische Gesellschaft eintreten. Ich bin stolz auf das, was es bisher geleistet hat. So etwas sollte es in allen deutschen Kommunen geben“, sagt Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD).

Gefährliche Populisten

Bis heute hat die Bundeszentrale der NPD ihren Sitz in der Seelenbinderstraße. Anhänger und führende Köpfe wie Sebastian Schmidtke bringen den Bezirk mit ihren Aktionen immer wieder in Verruf. Besonders betroffen sind die Regionen rund um die Bahnhöfe Schöneweide und Köpenick. 214 rassistische, antisemitische, homophobe und rechtsextrem motivierte Vorfälle wurden 2013 dokumentiert. Obgleich die öffentliche Propaganda der Rechten abnimmt, steigt die Zahl der Angriffe, Bedrohungen und Pöbeleien gegen engagierte Anwohner, Migranten sowie homo- und transsexuelle Menschen: „Es sind nicht mehr die dumpfbackigen Glatzköpfe, sondern Rechtspopulisten, die ihre Parolen mit der Bemerkung begründen, dass man das wohl noch sagen dürfe. Dieses Gedankengut ist noch viel gefährlicher“, so Igel. Selbst vor den sechs Mitarbeitern des ZfD machen die Nazis keinen Halt. Doch eingeworfene Scheiben, Sprühereien und Übergriffe werden den beharrlichen Einsatz gegen die Rechtsradikalen nicht stoppen. „NS-Ideologie und Neonazismus grenzen Teile der Bevölkerung und Minderheiten aus, da hört für mich Demokratie auf“, erklärt Yves Müller, Vorstandsmitglied des ZfD. Der Erfolg ihrer Projekte wie InteraXion, Integrationslots_in für Treptow-Köpenick und das Register zur Erfassung rechter Übergriffe ist sichtbar: „Es gibt immer mehr Leute, die nicht wegschauen und Zivilcourage zeigen“, sagt Müller.

Mehr Förderung

Neue Projekte stehen in den Startlöchern. Erzieher und Lehrer sollen als Multiplikatoren Kindern und Jugendlichen unter der Fahne des Solidaritätsprinzips das Verständnis von demokratischer Vielfalt nahebringen. Die historische Bildungsarbeit wollen sie gemeinsam mit der Gedenkstätte „Köpenicker Blutwoche“ auf die Beine stellen. Über ein Studienprojekt werden künftig die Bedarfe von Migranten erfasst: „Wir haben sehr wenig bis gar keine Migranten-Selbsthilfeorganisationen. Die Leute wissen nicht, an wen sie sich bei institutionellem und alltäglichem Rassismus wenden sollen“, erklärt Müller. Ein Runder Tisch zur Flüchtlingsproblematik und den Gemeinschaftsunterkünften im Bezirk ist ebenso geplant.
Was fehlt, sind langfristige Förderprogramme, um die Projekte nachhaltig zu stärken und fest in der Gesellschaft zu verankern: „Wir müssen jedes Jahr aufs Neue um Fördergelder bangen. Eine gesicherte Finanzierung über Landes- und Bundesprogramme wäre sehr wichtig“, betont Müller. Derzeit beläuft sich die Förderung auf etwas mehr als 70.000 Euro aus Programmen des Bundes, Landes und Bezirks.

www.zentrum-für-demokratie.de

Josephine Klingner / Bild: Josephine Klingner

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