Ehrung für Courage und Cleverness

Polizei: Der Lichtenrader Rentner Horst Scholze hat „Enkeltrick-Betrüger“ in die Falle gelockt

„Für ihr extrem schlaues Vorgehen und ihren Mut möchte ich Ihnen danken. Ohne Sie hätten wir einen gemeinen Trickbetrüger nicht festnehmen können“, betonte vergangene Woche Kriminaldirektorin Elke Plathe bei einer Ehrung für den couragierten Lichtenrader Rentner Horst Scholze in der Polizeidirektion und überreichte eine Urkunde sowie einen Büchergutschein. Zusammen mit seiner Frau hatte Scholze am 20. März 2014 einen sogenannten „Enkelbetrüger“ listenreich in die Falle tappen lassen. In ganz Europa haben Dutzende von Banden in den vergangenen Jahren ältere Menschen um ihre Ersparnisse gebracht. „Gerade Einsamkeit und Kontaktarmut lassen viele alte Menschen Opfer solcher Betrügereien werden. Aber nicht mit mir“, betont Scholze.

Übler Trick

Bereits zweimal hatte das Ehepaar in der Vergangenheit Anrufe von Trickbetrügern erhalten und war nicht auf das Gerede am anderen Ende der Leitung eingegangen. Als am 20. März 2014 abermals das Telefon klingelte und das schon bekannte „Rate mal, wer da ist?“ aus dem Hörer tönte, beschloss Scholz in Sekundenschnelle dem Trickbetrüger das Handwerk zu legen. „Heinz, bist du das?“, fragte Scholze zurück und tat so, als ob er auf den üblen Trick reinfallen würde. Der Unbekannte am anderen Ende der Leitung gab vor der Enkel zu sein, der gerade auf einer Auktion eine Wohnung am Kurfürstendamm kaufen wolle. Ganz unbescheiden forderte er seinen „Großvater“ auf, ihm 50.000 Euro dafür zu leihen. Das Geld solle in Kürze durch einen Freund abgeholt werden – obgleich Scholze betonte, nicht über so viel Geld zu verfügen. Der falsche Enkel forderte daraufhin dreist, Scholze solle den Schmuck seiner Ehefrau versetzen. Doch während einer Gesprächspause griff sich der pfiffige Rentner sein Handy und rief die Polizei an. Nachdem ein Treffpunkt mit dem angeblichen „Freund“ Christian Koch vor der Angermünder Straße 41 zur Geldübergabe vereinbart worden war, informierte Scholze abermals die Polizei, die mit einer Zivilstreife ausrückte und um die Ecke lauerte. Clever verpackte der vermeintlich betrogene Großvater dann Papierscheine in einen Umschlag, setzte er sich in sein Auto und gab vor zur Bank zu fahren. Nachdem er einmal um den Block gefahren war, lief er zum Ort der Übergabe. Tatsächlich traf er dort den Geldboten, der sofort von der Polizei festgenommen und in Handschellen abgeführt wurde. Anklage und Prozess werden folgen.

Wachsender Erfolg

„Wir warnen immer wieder vor solchen Betrügern. Insbesondere sollten Rentner ihre Einträge im Telefonbuch ändern“, mahnt Plathe. Tatsache ist, dass die Banden die Telefonbucheinträge nach „alten“ Vornamen wie Ilse oder Ernst durchforsten und dann zuschlagen – leider mit wachsenden Erfolg. Eine zentrale Statistik über die Anzahl von Enkeltrick-Fällen in Deutschland gibt es leider nicht, da die Tat beim Bundeskriminalamt zusammen mit allen Betrugsfällen erfasst wird. Stichprobenartig wird jedoch eine Steigerung der Fälle registriert, wie zum Beispiel in Brandenburg. Dort erfasste das LKA 2007 insgesamt 75 Enkeltrick-Fälle gab, bei denen in nur 14 Fällen tatsächlich Geld gezahlt wurde. 2009 waren es schon 187 Fälle, bei denen es 31 Mal zur Geldübergabe kam. Aber es gibt auch Fahndungserfolge: Ende Mai 2014 wurden in einer groß angelegten und länderübergreifenden Polizeiaktion 49 Menschen festgenommen, darunter Arkadiusz Lakatosz, der als Erfinder des Enkeltricks gilt.

Tanja von Unger / Bild: Privat

WEITERSAGEN