„Leben in Wilhelmsruh“ in Gefahr

Verkauf: Der Verein könnte bald aus seinem Haus in der Hertzstraße fliegen

Wie es weitergehen soll, wissen sie noch nicht. Beim Verein Leben in Wilhelmsruh herrscht derzeit helle Aufregung. Das Haus der rührigen Wilhelmsruher in der Hertzstraße 61 soll verkauft werden. Jenes Haus, das die Mitglieder aus eigener Kraft sanierten, kurz nachdem sie die Stadtteilbibliothek gerettet hatten. 2005 war das, 2004 wurde der Verein gegründet, als es der Bibliothek im Zuge der Mittelkürzungen an den Kragen gehen sollte. Seitdem hat sich der Verein entwickelt, ist zum Mittelpunkt des kulturellen Lebens im Ortsteil geworden. All das könnte nun bald vorbei sein.

Wichtig für Wilhelmsruh

Bis ganz zum Ende der Hertzstraße schafften die Mitglieder damals die tausenden Bücher, CDs und DVDs vom alten Standort in der Edelweißstraße 5. Der RBB suchte in einer gemeinsamen Aktion nach Renovierungshelfern. Der damalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse eröffnete die Bibliothek, die fortan der Verein führte. Besonders auf Kinderbücher haben sich die Mitglieder spezialisiert. Die Bibliothek ist seitdem gut besucht, rund 1.100 registrierte Leser hat sie. Es gibt Lesungen, Konzerte und Diskussionsveranstaltungen. Derzeit stellt hier die Malerin Maria Sieck aus. Bald folgt die nächste Ausstellung im Haus des Vereins. Und wenn gerade mal keine Kultur läuft, diskutieren die Bewohner hier mit Politikern über die schlechten Fußgängerüberwege, Straßenbeleuchtung und den Wegzug der Sparkasse. Die Nachricht vom drohenden Verkauf des Hauses schlug im Mai ein wie eine Bombe. Derzeit fragen sich die 107 Mitglieder des Vereins, ob sie bald rausgeschmissen werden. „Es herrscht eine große Unsicherheit. Keiner weiß so richtig wie es weitergeht“, sagt Renate Iversen, zweite Vorsitzende des Vereins. Klar ist bislang nur, dass der Eigentümer, der Ausbildungsbetrieb ABB im Pankowpark, die alten Klinkerbauten loswerden möchte, weil sie nicht mehr betriebsnotwendig seien, wie Unternehmens-Sprecherin Beate Höger sagt. „Für die Fläche neben der Bibliothek mitsamt dem Bibliotheksgebäude gibt es Kaufinteressenten. Auch dem Stadtteilverein wurde die Fläche zum Kauf angeboten. Die Gespräche dazu laufen derzeit“, so Höger. „Das ist auch für uns eine Option, das Haus einfach selbst zu kaufen“, sagt Renate Iversen. Wie, ist allerdings noch völlig offen. Der Verein trifft sich derzeit mit anderen Vereinen, die ihre Heimstätten selbst gekauft haben, etwa der Labsaal in Lübars oder das Centre Bagatelle in Reinickendorf. „Wir müssen jetzt erst einmal schauen, wie wir das im Notfall finanziert bekommen“, sagt Iversen. Der Mietvertrag des Vereins im Haus läuft noch bis 2020. Ob ein neuer Eigentümer bereit wäre, diesen zu übernehmen, ist offen.

Ungewisses Jubiläum

Die Bezirksverordnetenversammlung Pankow reagierte inzwischen mit einem Antrag, der den Verein als kulturellen Mittelpunkt des Ortsteils unterstützen soll. Eigentlich wollte der Verein im Oktober sein zehnjähriges Bestehen feiern. „Mit der Planung haben wir aber noch nicht angefangen, weil wir nicht wissen, ob wir dann noch dort bleiben dürfen“, sagt Iversen.

Alexander Wolff / Bild: Leben in Wilhelmsruh

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