Der Mensch und der Kiez

Buch: „Stadtgespräche aus Neukölln“ blickt hinter Kulissen

Ob Krimis oder autobiografisch angehauchte Werke über Gentrifizierung und Hipster: Vielleicht werden Wissenschaftler eines Tages ergründen, wie und warum sich Neukölln einen festen Platz in der Literaturproduktion erspielt hat. Jetzt ist allerdings ein Buch erschienen, das jenseits von subjektiven Befindlichkeiten einen praktischen Mehrwert mit sich bringt, der Zugereisten wie Kiez-Originalen interessante Einblicke bietet.

In „Stadtgespräche aus Neukölln“ (Gmeiner Verlag, 187 Seiten, 14,99 Euro) vereint die Autorin Michaela Behrens Porträts über aktuelle und vergangene Bewohner, die das Leben in dem Bezirk nachhaltig geprägt haben oder dies heute tun. Mit dabei sind bekannte Namen wie die Schriftsteller Erich Mühsam und Monika Maron, der Britzer Müller Joseph Raupach oder die Stadtführer-Kunstfigur Reinhold Steinle. Oftmals machen aber gerade jene Abschnitte neugierig, die die weithin unbekannten Menschen hinter den prominenten Adresse vorstellen. Und die wird jenseits der Klischees befriedigt: Zum Beispiel, wenn sich Behrens jungen Frauen wie Karen Groetzke und Kirsi Hinze widmet: Vor zwei Jahren haben die Studentinnen den 1884 gegründeten Laden „Zauberkönig“ übernommen. Auch der Abschnitt über Karin Maiworm, die den Kiosk „Hasenschänke“ betreibt, zeigt, wie verschlungene Wege, die weit außerhalb des Bezirks begannen, an einem der bekanntesten Orte im Kiez ein vorläufiges Ende nehmen.

Zugleich liefern die 35 wohlwollenden, aber nicht gänzlich unkritischen Kapitel ein intensives Bild verschiedenster Schauplätze eines Stadtquartiers. Dessen Beschreibung als „widersprüchlich“ steht in diesem Fall weniger für den oft beschworenen Gegensatz zwischen Problem- und Aufsteiger-Kiez, sondern für eine schillernde Urbanität an sich, die außerhalb Neuköllns ihresgleichen sucht. Die Autorin macht ohnehin keinen Hehl aus ihrer Haltung zu dem Bezirk, in dem sie seit Ende der 90er Jahre lebt: Für sie ist Neukölln nicht unbedingt der netteste, doch mit Abstand der interessanteste Teil Berlins. Zudem sorgen die ausführlichen Interviewpassagen mit den Protagonisten für jenen Eindruck der Unmittelbarkeit, der vielen Lesern den Einstieg erleichtern dürfte.

Verlosung

Sie sind an dem Buch interessiert oder möchten einen lieben Menschen damit überraschen? Dann empfehlen wir Ihnen, an unserer Verlosung teilzunehmen: Fünf Exemplare suchen einen neuen Besitzer.

Schicken Sie bis zum 31. Juli eine E-Mail mit dem Betreff „Stadtgespräche“ an die Adresse
gewinnen@mdscreative.com

Nils Michaelis / Bild: Michaela Behrens

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