Behörden treiben Havelfischer in den Ruin

Bürokratie: Immer neue Vorschriften machen Ralf Latendorf das Leben schwer

Der Spandauer Havel-Fischer Ralf Latendorf versteht die Welt nicht mehr: Er hatte alles, was er für einen erfolgreichen Fischzug braucht: Eine Lizenz, ein Boot mit gültigem Führerschein und ein Revier in dem es von Aalen, Karpfen und Zandern wimmelt. Aber trotzdem zappeln schon lange keine Fische mehr in seinen Netzen. Schuld daran sind immer neue Verbote und Vorschriften. „Diese Gesetze treiben mich noch in den Ruin“, schimpft Latendorf.

Boot umgebaut

1986 übernahm der ausgebildete Fischwirt das Familienunternehmen in vierter Generation. Aber schon sechs Jahre später fing der Ärger für den letzten Langnetzfischer auf der Havel an. 1992 musste er plötzlich das größte Schiff seiner Flotte, einen 21-Meter-Kahn, um 1,20 Meter kürzen. „Ich baute es also für 60.000 Mark um, damit es den neuen Regeln entsprach“, sagt Ralf Latendorf. Kaum fertig, kam schon der nächste Behörden-Hammer. Man verbot ihm im Verbund mehrerer Kähne zu fahren. Latendorf: „Das muss ich aber, um meine riesigen Netze nutzen zu können.“ Inzwischen darf sein Boot nur noch 15 Meter lang sein. Der Havelfischer ist verzweifelt: „Wenn ich es noch einmal kürze, dann kentert es“, sagt er. Außerdem reicht für diese Länge sein alter Führerschein nicht mehr aus. Damit entzog man ihm praktisch die Lizenz zum Fischen. Und so kam zu dem ganzen Ärger vor über einem Jahr auch noch eine Anzeige wegen Fahrens ohne gültigen Bootsführerschein mit einem Bußgeld über 153,30 Euro.

Immense Kosten

Jetzt liegt der Pott ungenutzt im Wasser und verursacht Kosten, weil er trotzdem gepflegt werden muss. Ralf Latendorf ist empört. „Seit letztem Jahr dürfen Motorboote mit maximal 15 PS Leistung ganz ohne Führerschein gefahren werden. Wer in Mecklenburg-Vorpommern Urlaub auf einem Boot machen möchte, bekommt eine kurze Einweisung und darf Schiffe bis 15 Meter Länge mit maximal zwölf Personen an Bord ohne jegliche Erfahrung lenken.“ Das Wasser-und Schifffahrtsamt fühlt sich zumindest zurzeit nicht für Latendorf zuständig. „Ich kenne den Fall nicht in Einzelheiten,“ erklärt Amts-Chef Michael Scholz. „Wir sind nur Beobachter. Das Recht des ersten Zugriffs hat die Wasserschutzpolizei. Herr Latendorf muss gegen den Bußgeldbescheid Einspruch einlegen.“

Existenz bedroht

Aber für den geht es schon lange nicht mehr nur um einen Bußgeldbescheid. Seine Existenz steht auf dem Spiel. Die Vorschriften und Maßregelungen haben Latendorf schon viele 1.000 Euro gekostet. Ohne seinen Fischhandel, den er im Winter betreibt, käme er nicht über die Runden. Dann verkauft er den Weißfisch, der viele Gräten hat und für den Verzehr nicht so geeignet ist, an Anglervereine. Die setzen die Fische dann in gepachteten Kiesgruben aus, damit ihre Mitglieder die Angelruten auswerfen können. Aber spätestens hier schließt sich der Teufelskreis für Fischer Ralf, der kaum noch frische Fische fischt: „Dazu brauche ich natürlich dringend mein großes Boot und die Erlaubnis, es zu fahren“, sagt er.

Anke Walter / Bild: Josephine Klingner

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