Wasserspaß mit coolen Typen

Freizeit: Im Sommerbad Pankow schlichten Konfliktlotsen zwischen den Badegästen

Seit vergangenem Samstag sind im Sommerbad Pankow die Streitschlichter von „Bleib Cool am Pool“ im Einsatz. Das gemeinsam von den Berliner Bäderbetrieben (BBB), der Polizei und der Gesellschaft für Sport- und Jugendarbeit (GSJ) initiierte Projekt soll helfen, Konflikte zwischen den Badegästen im Keim zu ersticken, bevor sie sich verschärfen. Raufereien an der Wasserrutsche und dem Sprungturm im vergangenen Jahr veranlassten die Bäderbetriebe, das Konfliktlotsenprogramm auf Pankow auszuweiten.

Viel zu tun

In Zweier-Teams laufen nun vier Lotsen zu Spitzenzeiten Patrouille. Für das Pankower Bad heißt das am Wochenende 6.000 bis 7.000 Gäste auf einem Areal von 80.000 Quadratmetern: „In 99 Prozent der Fälle herrscht in unseren Bädern eine Atmosphäre zum Wohlfühlen“, sagt Ole Bested Hensing, Vorstandsvorsitzender der BBB. Gebe es doch einmal Streit und Ärger, würden die ehrenamtlichen Helfer deeskalierend eingreifen. Anja Otto und Michel Hackbarth gehören zu den frisch gebackenen Lotsen. Während der Sommerferien sorgen sie nun für Ruhe und Ordnung: „Ich wollte nicht faul zu Hause rumsitzen“, sagt Anja, die im September eine Ausbildung zur Fahrzeuglackiererin beginnen wird. Dass die 17-Jährige den Biss hat, sich durchzusetzen, zeigte die Eishockeyspielerin von Kick on Ice gleich an den Wasserrutschen. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Michel beruhigte sie die stürmische Meute. „Wir begegnen den Menschen auf Augenhöhe, fragen nach der Ursache des Streits und versuchen, das Problem freundlich im Gespräch zu lösen.“ Nach dem Motto „Sehen, Hören und Handeln“ leisten sie zudem Erste Hilfe bei Schnittwunden oder Wespenstichen, geben Tipps, wenn Wertsachen für jedermann offensichtlich herumliegen. „Wenn nötig, können wir die Leute sogar aus dem Wasser retten“, erzählt Michel, der bereits Erfahrung als Streitschlichter aus der Schulzeit mitbringt.

Hartes Training

Mitarbeiter des GSJ-Projektes Kick entwickelten das gewaltpräventive Programm, nachdem es 2010 zu Handgreiflichkeiten in den Bädern Neukölln und Kreuzberg kam. Vier Monate dauert die Ausbildung. In Rollenspielen und Situationstrainings lernen die künftigen Streitschlichter, potentielle Konfliktherde rechtzeitig zu erkennen und friedlich zu lösen. Bernhard Kufka, Leiter der Polizeidirektion 1, ist bekennender Anhänger: „Die Vergangenheit zeigt deutlich, dass wir die Probleme nicht mehr allein lösen können.“ Der Erfolg des Projektes beruhe darauf, dass sowohl Badegäste als auch Lotsen vor Ort verwurzelt seien. Mahmoud Tahmaz kann das nur bestätigen. Der 43-jährige Araber ist seit drei Jahren Lotse und weiß, wie er sich unter seinen Landsleuten Respekt verschafft: „Viele kennen uns aus dem Kiez. Wir sprechen ihre Sprache. Da nehmen sie gleich den Mund nicht mehr so voll.“ Zehn der 30 ausgebildeten Helfer sollten in Pankow ihren Dienst antreten. Doch nach der Ausbildung seien nur vier übrig geblieben, sagt Projektleiter Arne Freudenberg: „Ob zwei Teams wirklich ausreichen, wird sich zeigen. Der Sprungturm und die Wasserrutschen bergen großes Konfliktpotential. Zur Not können wir Leute aus Neukölln und Kreuzberg abziehen. Das ist aber keine dauerhafte Lösung.“ Bested Hensing ist zuversichtlich: „Sollte ein Fall tatsächlich in Gewalt umschlagen, haben wir immer noch unsere Security-Kräfte.“

Josephine Klingner / Bilder: Josephine Klingner

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