Theater in Not

Zwangslage: Das O-TonArt Theater startet einen Berliner Hilfeaufruf

Der letzten Bühne im Schöneberger Norden droht die Schließung und Pfändung durch den Gerichtsvollzieher. „Wir sind in einer sehr schwierigen finanziellen Situation – insbesondere die anfallenden Gema-Gebühren, Nachzahlungen der Künstlersozialabgaben und eine Mieterhöhung durch die Gewobag belasten den Fortbestand unseres Hauses“, erklärt Theaterleiter Bernd Boßmann. Die ausschließlich ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter, die den Spielbetrieb des nicht subventionierten Theaters ermöglichen, sind besorgt, dass der Kulturbetrieb als Ort der Kommunikation und des Austauschs in einem mit sozialen Problemen belasteten Kiez von der Schließung bedroht ist.

Spenden benötigt

2014 feiert das Theater O-TonArt in der Kulmer Straße 20a sein fünfjähriges Bestehen und bittet aus aktuellem Anlass um Hilfe. „Kulturelle Einrichtungen werden als Errungenschaft der Zivilisation hoch geschätzt. Berlin als „Kulturhauptstadt“ wirbt damit in großem Stil und zieht ein internationales Publikum an, das sich gerade jenseits der großen und hoch subventionierten Häuser auf den Kiezbühnen ein Bild von der lebendigen Berliner Kulturszene macht“, mahnt Boßmann. „Durchs Ehrenamt in die Insolvenz“, so fasst er die aktuelle Situation für sich zusammen. Boßmann, der sich seit acht Jahren in Schöneberg engagiert und mit zahlreichen Preisen, so auch als Finalist beim Deutschen Engagementpreis 2013 und als „be berlin“- Botschafter 2008 ausgezeichnet wurde, sieht seine persönliche Existenz unmittelbar gefährdet. Ganz aktuell wendet er sich im Namen des Theaters an die Berliner. Gesucht werden mindestens 20.000 Idealisten und Förderer, die wenigstens einen Euro spenden. Als Gegenleistung bekommt jeder Spender im Café “finovo“ in der Großgörschenstraße bei Vorlage des Überweisungsbelegs eine originelle Flasche Berliner Brause geschenkt.

Unterstützung gesucht

Zu den ohnehin vorhandenen finanziellen Schwierigkeiten kommt eine Mieterhöhung hinzu, die das Schicksal der Bühne besiegeln könnte. „Wir weisen allerdings die Darstellung zurück, das O-TonArt Theater sei in seiner Existenz wegen einer Mieterhöhung bedroht“, sagt die Sprecherin Dr. Gabriele Mittag. Das Unternehmen habe vielmehr dem Theater ganz bewusst 2009 durch eine extrem günstige Miete ermöglicht, in dem Kiez Fuß zu fassen. Nach Informationen des Berliner Abendblatts liegt die Miete pro Quadratmeter auch nach der Erhöhung immer noch unter vier Euro – und damit deutlich unter dem durchschnittlichen Quadratmeterpreis für Gewerbeimmobilien in Berlin. „Das sind Sonderkonditionen. Zudem darf das Theater zusätzlich rund 100 Quadratmeter Lagerfläche in dem Gebäude kostenfrei nutzen“, so Mittag.

Das Theater, so die Unternehmenssprecherin, bereichere den Kiez. „Die geringe Gewerbemiete ist unser Beitrag, soziale Verantwortung auch für Kultureinrichtungen im Kiez zu übernehmen.“ Allerdings sieht das Unternehmen sich gezwungen auch wirtschaftlich zu denken und zu handeln. Voraussetzung für die Fortsetzung des Mietverhältnisses ist in den Augen der Gewobag allerdings, dass das Theater auf soliden finanziellen Beinen steht und die Mietanpassung leisten kann. „Jetzt kann mir nur noch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit helfen. Er weiß genau, wie es uns geht – aber bis jetzt habe ich nichts von ihm gehört“, klagt Boßmann und bittet um Unterstützung.

Tanja von Unger / Bild: promo

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