Der wilde Rest in Kreuzberg

Festwoche: Das SO36 feiert sich, seine Geschichte und den Kiez

Das SO36 ist eine der wenigen Konstanten im Kreuzberger Kulturleben, die die vergangenen Jahrzehnte überdauert haben. Die Vorgeschichte als Bierhalle und Kino, die bereits 1861 ihren Anfang genommen hatte, ist kaum bekannt. Weit über die Stadtgrenzen hinaus erarbeitete sich das Haus am Heinrichplatz den Ruf eines alternativen Veranstaltungs- und Kiezzentrums, das sich selbst von lärmschutzengagierten Anwohnern nicht unterkriegen lässt. Diese wechselhafte Geschichte nahm im August 1978 mit einem zweitägigen „Mauerbau-Festival“ ihren Anfang. Jetzt erinnert das SO 36 mit einer Festwoche an die frühen Zeiten, die bis heute fortwirken.

Große Veränderungen

In dem schlauchartigen Bau an der Oranienstraße machte – nicht nur, aber gerade während der frühen 1980er-Jahre – die Spitzengarde der internationalen Punk-, New Wave- und Avantgarde-Szene immer wieder Station. Genannt seien Bands wie „Dead Kennedys“, „UK Subs“ oder „Einstürzende Neubauten“, darüber hinaus auch „Die Ärzte“ oder Marianne Rosenberg. Einige jener Künstler halten dem Haus bis heute die Treue. Zwischenzeitlich wurde der Saal zu einem türkischen Hochzeitssaal umfunktioniert. Nach der Schließung durch das Bauamt besetzten Sympathisanten das Gebäude. Fortan entwickelte sich das SO36 (erneut) zu einem Zentrum für Punks und Alternative.

Neues Zentrum

Eine Eintrittskarte des SO36 von 1981

Eine Eintrittskarte des SO36 von 1981

Mehr und mehr wurde es auch zum Schauplatz der lesbisch-schwulen Bewegung. „Heute sind wir es, die die alteingesessenen Bewohner des Kiezes repräsentieren“, sagt Nanette Fleig vom Vorstand des Betreiber-Vereins Sub Opus 36 e.V. selbstbewusst. Dessen ungeachtet werde es in Kreuzberg immer ungemütlicher. „Seit der Gründung des SO 36 hat sich der Kiez dramatisch verändert.“ Die in der ganzen Stadt zunehmenden Klagen wegen Lärmbelästigung hat auch das SO36 zu spüren bekommen. Vor einigen Jahren ließ der Verein eine kostspielige Lärmschutzwand errichten. Zudem gelte es den Spagat zu meistern, sowohl den Ansprüchen der Anwohner mit günstigen Angeboten als auch denen der Touristen zu genügen, die nicht zuletzt wegen dieser Örtlichkeit nach Kreuzberg kommen. Die Frage nach der Zukunft des SO36 ist für Fleig daher unmittelbar mit dem stadtentwicklungspolitischen Kurs des Senats verbunden. „Ein absolutes Ruhebedürfnis von Innenstadtbewohnern verträgt sich nicht mit einer belebten Klub-Landschaft“, sagt sie. „Das Aus für den Knaack-Klub in Prenzlauer Berg schreit zum Himmel.“ Sollte der Senat zum Beispiel die Lärmschutz-Grenzwerte weiter absenken, könnte das SO 36 erneut in Schwierigkeiten kommen. Fleig: „Wir können uns nicht einfach ein neues Haus bauen.“

Zahlreiche Veranstaltungen

Die Festwoche beginnt heute, am 7. August mit einer Party auf dem Flur zwischen Eingang und Bühnenbereich. Anlässlich der Renovierung wurde dort eine Streetart-Ausstellung eingerichtet. Am 9. August wird in der benachbarten Galerie Knoth und Krüger eine Ausstellung des SO36 eröffnet. Am gleichen Abend tritt ebendort die Punkband „Toxoplasma“ auf. Bis zum 16. August folgen weitere Veranstaltungen, darunter eine Abschluss-Gala zu
36 Jahren SO36.

Das komplette Programm finden Sie hier!

 

Nils Michaelis / Bilder: SO36

WEITERSAGEN

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden. Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.

Schließen