Integrationsarbeit steht auf der Kippe

Gropiusstadt: Der ImPuls e.V. sucht nach neuen Quellen für Fördermittel / Unterstützung durch Quartiersmanagement läuft zum Jahresende aus

Wie geht es weiter mit dem Interkulturellen Treffpunkt in der Gropiusstadt? Ende des Jahres läuft die Förderung durch das örtliche Quartiersmanagement (QM) aus. Der Bezirk und das QM Gropiusstadt bemühen sich seit letztem Jahr intensiv darum, alternative Förderquellen zu erschließen, um das weit über die Bezirksgrenzen hinaus bekannte Projekt, das der Integrationsverein ImPuls e.V. am Bat-Yam-Platz betreibt, zu erhalten. Greifbare Ergebnisse gibt es bislang nicht. Das geht aus einer Kleinen Anfrage der SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung hervor.

Vielseitiges Angebot

Auch Projektleiterin Julia Pankratyeva sucht mit ihrem Team derzeit nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten. Ein Förderantrag ging ans Büro von Monika Lüke, der Beauftragten des Landes Berlin für Integration und Migration. Auch zum Bundeamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bestehen Kontakte. „Wir hoffen, dass das BAMF endlich eine passende Ausschreibung vorlegt, bislang konzentriert sich die Förderung auf klassische Flüchtlingsarbeit“, so Pankratyeva. Seit vielen Jahren bemüht sich der ImPuls e.V. um das Miteinander unter den Gropiusstädtern: sowohl zwischen den Kulturen als auch zwischen den Generationen. Dafür hat die Bürgerstiftung Neukölln den Verein im letzten Jahr mit dem Neuköllner Bürgerpreis ausgezeichnet. So bunt wie die ethnischen Wurzeln des Publikums ist auch das Kurs- und Veranstaltungsprogramm, das pro Woche rund 250 Menschen wahrnehmen. Das Spektrum reicht vom Deutsch-Konversationsunterricht für Zuwanderer über PC-Kurse für Senioren und Keramikkursen bis hin zu Proben und Auftritten der internationalen Singgruppe. Neben Zuwanderern aus früheren Sowjetrepubliken prägen Menschen aus Syrien, dem Sudan, Iran und der Türkei das Geschehen. Der Grund für das Auslaufen der Fördermittel sind neue Vorgaben für das vom Bund finanzierte und von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gesteuerte Programm Soziale Stadt. „Durch das Programm ist keine Dauerförderung von Projekten oder Einrichtungen möglich“, so die stellvertretende Senatssprecherin Petra Rohland. „Insofern sind die Förderungen stets zeitlich begrenzt. Das gilt auch für den Interkulturellen Treffpunkt.“ Ihren Angaben zufolge lag die jährliche Fördersumme bislang zwischen 30.000 und 40.000 Euro. Projekte müssten sich frühzeitig darum kümmern, aus anderen Quellen finanziert zu werden, so Rohland. Zwei Alternativen seien das Bundesprogramm BIWAQ (Bildung-Arbeit-Wirtschaft-Quartier) sowie Mittel der Senatsverwaltung für Integration. „Mit unserer Unterstützung laufen hierzu derzeit noch Gespräche“, sagt Rohland, die bei der Finanzierung wichtiger lokaler Einrichtungen auch die Bezirke in der Pflicht sieht.

Dauerhafte Perspektive

Für das QM Gropiusstadt kommt einzig eine Dauerförderung infrage. „Nachbarn gibt es immer“, sagt Mitarbeiterin Selma Tuzlali. „Dieser Umstand macht die Arbeit des ImPuls e.V. und anderer Projekte immens wichtig.“ Susanna Kahlefeld, die migrationspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, kritisiert die bisherige Förderpraxis durch Bund und Land: „Kulturarbeit wird im Bereich Soziokultur viel zu gering bewertet“, sagt sie. „Mit seinen kulturellen Angeboten erreicht und integriert der ImPuls e.V. große Gruppen und setzt sich als einziger Verein im Bezirk für Aussiedler und russischsprachige Zuwanderer ein.“

Nils Michaelis / Archivbild: Anne Langert

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