Vertikaler Klang

Kunst: Die Singuhr-Hörgalerie präsentiert die Resultate der ersten Künstler-Residenz

Können Klang und Bild, Performance und Fotografie zu einer Kunstform verschmelzen? Beim estnischen Künstler Raul Keller können sie das. Er bewegt sich zwischen den künstlerischen Ausdrucksformen und verschiedenen Genres von Klanginstallation bis Medienkunst, um sie auf den Ort seines jeweiligen Schaffens zuzuschneiden. Das hat er nun auch für die Singuhr-Projekte in der Meinblau Gelerie getan. Noch bis zum 31. August ist seine eigenwillige Kunst zu sehen.

Zwei Membranen

„moondur/shifter“ heißt das Werk, das all die verschiedenen Disziplinen verbindet. Im Zentrum der Installation steht eine große, in den hohen Lichthof des Ausstellungsraums eingebaute Klangskulptur: ein von der Decke hängendes Objekt aus zwei Schallmembranen mit speziell behandeltem Leinwandstoff. Unter den Membranen befindet sich jeweils ein Tiefbass-Lautsprecher, der je nach Tonhöhe und damit Schalldruck die Membranen zum Schwingen bringt. Die monochromen Leinwände verwandeln sich so in bewegte, rhythmisch schwingende Flächen. Die Töne dieser „vertikale Dynamik“, wie die Macher schreiben, werden von Mikrofonen aufgenommen und erzeugen über Lautsprecher in den Ecken eine atmosphärische Klanglandschaft.

Intensiv beschäftigt

Entstanden ist das Werk während seiner Künstler-Residenz bei den Machern der Singuhr-Hörgalerie. Bei einer Künstler-Residenz hat der jeweilige Künstler einen begrenzten Zeitraum, um sich intensiv mit seiner Arbeit auseinanderzusetzen. In deren Rahmen hat sich Keller seit Juli mit seiner Kunst beschäftigt, hat experimentiert und diskutiert. Das Resultat ist eine Installation, die speziell für die Galerie angefertigt wurde. Das sogenannte „Residency Programme“ ist ein Bestandteil der Neuausrichtung von Carsten Seiffarth und Markus Steffens, den Machern der Singuhr-Hörgalerie. Weitere Künstler werden Raul Keller folgen und damit auch weitere Ausstellungen.

Die Galerie von Seiffarth und Steffens ist eine einmalige Institution, in Deutschland ist sie unter den Führenden Galerien für ihre Kunstform. Sieben Jahre funkte sie von den alten Wasserspeichern in der Belforter Straße aus den letzten Schrei in Sachen Klangkunst in die Welt hinaus. Diese besondere Form der Kunst nutzt die räumlichen Gegebenheiten, Wind und Wetter oder einfach die Position des Zuhörers, um ihre besonderen Töne und Kompositionen durch Klanginstallationen zu erzeugen. Nach der Schließung im vergangenen Sommer kündigten sie an, neue Wege zu gehen.

Beim Festival „pulse:aussen“ etwa verwandelten Seiffarth und Steffens das Viertel rund um die Wasserspeicher Anfang Juni in eine einzige große Klanginstallation. Und die Hörgalerie hat bereits weitere Aktionen angekündigt. Die Galerie Meinblau in der Christinenstraße ist dabei vorübergehende Zentrale. Die Ausstellung von Raul Keller ist noch bis Ende August zu sehen. Die Finissage am 31. August geht bis 24 Uhr.

www.singuhr.de

awo / Bild: Raul Keller

WEITERSAGEN

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden. Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.

Schließen