Anlaufstelle in Gefahr

Wärmestube: Träger verhandelt mit Hauseigentümer über Mieterhöhung

Seit mehr als zehn Jahren ist sie in vielerlei Hinsicht eine Anlaufstelle für Menschen in großer Not: die Tee- und Wärmestube in der Weisestraße. Doch zuletzt machten Gerüchte um eine mögliche Schließung die Runde. Der Grund: Der neue Hauseigentümer hat kürzlich über die Hausverwaltung eine Mieterhöhung angekündigt, die der Träger der Einrichtung, das Diakonische Werk Simeon, nach eigenen Angaben kaum schultern könnte. Nun verhandeln Träger und Hauseigentümer, um die Steigerung auf ein erträgliches Maß zu reduzieren und damit den Standort zu erhalten. „Viele der neuen hippen Kneipen können die steigenden Mieten im Schillerkiez aufbringen, doch für soziale Einrichtungen wird das immer schwieriger“, sagt Dagmar Witzerstorfer, die Leiterin des Fachbereichs Wohnungslosenhilfe der Diakonie Eingliederungshilfe Simeon gGmbH. Die aktuelle Mieterhöhung sei die erste seit Jahren.

Vielschichtiges Publikum

Auch die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hat den Ernst der Lage erkannt. In einem einstimmig gefassten Beschluss fordert die BVV das Bezirksamt auf, sich für den Erhalt der Tee- und Wärmestube, die unter ihrem Dach verschiedene Beratungsangebote vereint, einzusetzen. Sollte es dem Diakonischen Werk Simeon nicht möglich sein, mit dem neuen Eigentümer eine bezahlbare Miete auszuhandeln, wird das Bezirksamt gebeten, die Suche nach einem neuen Standort intensiv zu unterstützen, heißt es in dem Papier. Ursula Künning, die die Grünen-Fraktion im Sozialausschuss vertritt, plädiert dafür, die Einrichtung im vertrauten Umfeld zu belassen. „Sie hat sich in all den Jahren bewährt, wenn sie wegfiele, würde das eine Lücke reißen“, sagt sie. „Im Schillerkiez hat sich in den letzten Jahren viel zum Positiven gewendet, aber Menschen mit geringen Einkommen oder gemeinnützige Projekte bekommen zunehmend Probleme“, sagt sie. Eva-Marie Schönthal (SPD) betont zudem, dass die Anlaufstelle ein zunehmend vielschichtiges Publikum anspreche, das in der Umgebung kaum Alternativen habe. „Die Menschen werden immer jünger, neben klassischen Obdachlosen kommen viele Arbeitsmigranten aus Osteuropa, um ein günstiges Essen zu bekommen oder gegen ein geringes Entgelt ihre Wäsche zu waschen“, erklärt die Vorsitzende des Sozialausschusses. Laut Witzerstorfer wurden im vergangenen Jahr im Tagesschnitt 44 Besucher gezählt. Jetzt, so Künning, komme es darauf an, den jetzigen Standort zu erhalten oder einen alternativen Ort in unmittelbarer Nähe auszumachen. Doch der sei bislang nicht in Sicht. Witzerstorfer ist ohnehin überzeugt, einen Umzug noch abwenden zu können. „Es wird in der Weisestraße weitergehen“, sagt sie. Die Tee- und Wärmestube feierte im letzten Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. Mit einer Kleiderkammer im Haus der Genezareth-Kirchengemeinde hatte seinerzeit alles angefangen. Im Jahr 2004 bezogen die Mitarbeiter die jetzigen Räume in der Weisestraße.

Nils Michaelis / Bilder: thinkstock.de/Diakonisches Werk Simeon

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