Das könnte teuer werden

Gutachten: Kleingartenkolonie Oeynhausen ist gute 36 Millionen Euro wert

„Mit dieser Summe habe selbst ich nicht gerechnet“, so ein SPD-Verordneter nach Bekanntgabe der Zahlen im neuesten Gutachten zum Verkehrswert der Kolonie Oeynhausen. Bis zu 36 Millionen Euro sollen die Gärten in Schmargendorf wert sein, auf denen ein Konsortium aus dem Investor Lorac und der Groth-Gruppe 700 Wohnungen bauen will. Lorac hatte das Grundstück 2008 für 600.000 Euro von der Post gekauft.

Hohe Expertise

Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann und Baustadtrat Marc Schulte (beide SPD) informierten am 21. August die Öffentlichkeit über das Ergebnis des Gutachtens. Erstellt wurde es von einem Mitglied des Landes-Gutachterausschusses, von einer „seit Jahrzehnten fachlich anerkannten, neutralen Gutachteninstanz mit hoher Expertise und gutem Namen“, wie Reinhard Naumann zum Schutz vor etwaiger Kritik betonte, das Gutachten sei „bezahlt“.

Keine Enteignung

An dem jetzt festgestellten Wert, der zwischen 28 und 35,9 Millionen Euro liegt, bemisst sich die Höhe der Entschädigung, sollte das Areal nicht bebaut werden dürfen. Abgezogen werden müsse noch der Wert der Kleingartennutzung, ergänzte Baustadtrat Schulte. „Das wären maximal zwei bis drei Millionen.“ Die Entschädigungssumme sei aber noch nicht „in Stein gemeißelt“, hob Reinhard Naumann hervor. Unstrittig sei jedoch die Zahlung einer Entschädigung. Lorac bleibe danach Eigentümer der Kolonie. „Es handelt sich ja nicht um eine Enteignung.“

Letzte Chance

Für Naumann und Schulte ist das Abgeordnetenhaus die letzte Chance auf Rettung der Kleingartenkolonie. Weder der Bezirk in seiner angespannten Haushaltslage noch die Kleingärtner, die nach eigenem Bekunden nicht mehr als eine Million Euro aufbringen könnten, sind in der Lage, eine Entschädigung in zweistelliger Millionenhöhe zu zahlen. Beide Politiker wiederholten, dass der Senat keine „Risikoabschirmung“ übernehmen wolle. Im Landesparlament liegt bisher nur ein entsprechender Antrag der Linkspartei vor. Naumann hofft, dass sich die Fachausschüsse im September mit der Frage befassen.

Externer Sachverstand

Die Fraktionen in der Charlottenburg-Wilmersdorfer Bezirksverordnetenversammlung werden sich eingehend mit dem – nicht zur Veröffentlichung bestimmten – Gutachten beschäftigen. Der Gutachter, Walter Schwenk, wird in einer nichtöffentlichen Sondersitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung sein 75-seitiges Gutachten erläutern. Für die Grünen stellt Schwenks Schriftstück „lediglich einen Zwischenschritt“ dar hin zu „validen Zahlen“ einer möglichen Entschädigung und einer „möglichst sicheren“ Abschätzung des finanziellen Risikos. Dem schließt sich Siegfried Schlosser von der Piratenpartei an. Dafür ist die Einholung einer eigenen Fachexpertise angedacht, gemeinsam mit der CDU, „externer Sachverstand“ nennt es deren baupolitischer Sprecher Arne Herz. Die Kleingärtner mit ihrem Vorsitzenden Alban Becker wollen, dass in absehbarer Zeit ein Gericht die Entschädigungssumme festlegt.

DASCH / Bild: UA/Dasch

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