Der Traumzauberbaum im Naschgarten

Freizeit: Bei Annegret Ebel können Stadtkinder spielerisch die Früchte der Natur entdecken

Inmitten des Stadtteils Französisch Buchholz liegt in der Schönhauser Straße 63/44 ein verwunschener Garten mit vielerlei Früchten und kuscheligen Ungeheuern. Hinter jeder Wegbiegung, jedem Strauch und Stein versteckt sich ein spannendes Abenteuer. Vorbei an süß-sauren Beeren windet sich gleich einem Schneckenhaus der schmale Gang zum Mittelpunkt der Welt. Dort stehen wie Bruder und Schwester eng umschlungen zwei Bäume. Als Traumzauberbaum lassen sie Kinderwünsche wahr werden, wenn die Kleinen nur ganz fest daran glauben.

Jung geblieben

Es ist das Reich von Annegret Ebel, die in ihrem Herzen immer jung geblieben ist: „Ich schaffe mir die Welt, wie ich sie mir als Kind gewünscht habe. Damals habe ich aus alten Holzbrettern Buden gebaut und bis heute nie wirklich damit aufgehört.“ In ihrer grünen Oase nimmt sie Kinder mit auf eine fantastische Entdeckungsreise, veranstaltet Prinzessinnen- und Piratengeburtstage, lässt Kita-und Schulgruppen von den Früchten und Kräutern der Natur kosten, weiht sie in die Kunst des Brotbackens ein. Lernen durch Anfassen und Schmecken ist ihr Motto. Den Erwachsenen hingegen verrät die 60-Jährige in ihrer „Wilden Weiberküche“ kulinarische Geheimrezepte für Marmeladen, Pestos, Säfte und Liköre.

Schlammsuppe und Backhaus

Wie im Märchen zieht sich eine Attraktion nach der anderen durch den Garten. Ein Spielhaus mit ausgedienten Töpfen, altem Geschirr und Wasser aus der Regentonne lädt die barfüßigen Gäste zum Sandkuchenbacken oder Köcheln einer Schlammsuppe ein. „Für mich ist es jedes Mal ein Genuss, wenn die Kinder hinterher wie kleine Dreckspatzen aussehen“, sagt Annegret Ebel und lacht. Gleich nebenan im Backhaus knetet sie mit ihnen Brotteig. Im Holzofen lodert schon das Feuer. Währenddessen erzählt sie von den verschiedenen Getreidearten und davon, wie das berühmt berüchtigte Furzbrot entsteht. Doch Vorsicht! Wer zu viel des Guten knabbert, sollte schnell die Freilufttoilette hinter der Backstube aufsuchen, sonst ist niemand vor dem Pups­orchester gefeit. Der Nachtisch wandert fast wie im Schlaraffenland direkt vom Strauch oder Baum in den Mund: „Äpfel, Johannis-, Stachel-, Him- und Brombeeren – alle Früchte gehören den Kindern. Sie können probieren und selbst entscheiden, ob sie weiter naschen möchten“, berichtet die gelernte Blumenbindemeisterin. Frisch gestärkt geht es zum Piratenturm, um sich todesmutig wie Peter Pan in die Schlacht gegen Captain Hook zu stürzen. „In meiner Verkleidungskiste habe ich verschiedene Kostüme. Oft reicht aber ein alter Hut, um als Pettersson mit Findus durch den Garten zu strolchen.“ Über einen Hügel gelangen die Kinder in das Land der schwarz-weißen Ungeheuer Mops und Klops. Sie sind ungeheuer kuschelig, fressen Möhren und getrocknetes Brot. Höhepunkt des Gartens ist jedoch für jedes Kind der Traumzauberbaum mit seinen grünen Glaskugeln. Wenn er ganz doll gedrückt wird, soll ein stumm gesprochener Wunsch in Erfüllung gehen. Im Geäst wacht deshalb eine aus Birkenreisig geflochtene Krähe: „Das ist der Hüter der Kinderwünsche und er sieht alles, was um ihn geschieht“, versichert Annegret Ebel. www.marmelaedchen-berlin.de

Josephine Klingner / Bild: Josephine Klingner

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