Endlich ist die Kirche im Dorf

Zeremonie: Die russische-orthodoxe Gemeinde hat ihre eigene Kirche im Herzen von Marzahn

Endlich hat sie ihre Bestimmung und ihren Segen erhalten. Die kleine Holzkirche der russisch -orthodoxen Kirche zu Berlin an der Allee der Kosmonauten wurde am letzten Septemberwochenende geweiht. Rund 500 Gläubige waren gekommen, um die feierliche Einsegnung durch Moskauer Mönche und Priester sowie die erste Messe in der geweihten Kirche mitzuerleben. Mit Weihwasser, Weihrauch, Gebeten, Chorälen, und frommen Herzenswünschen wurde diese einzigartige Zeremonie durchgeführt, bei der in alle Himmelsrichtungen um Beistand gebetet und die Gemeindemitglieder das Haus im einer Prozession durchquerten und einmal umrundet hatten. „Es ist das erste mal seit siebzig Jahren, dass so eine Kirche hier in Berlin gebaut wurde und so eine Zeremonie stattfindet“, erklärt Gemeindehelferin Nadjeshda Lange, die normalerweise die Gemeinde am Hohenzollerndamm besucht. „Es leben rund 40.000 Menschen unserer Kirche in den Bezirken Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf. Im Ostteil der Stadt wollten wir unbedingt ein eigenes Haus haben“, erklärt Erzpriester Pjotr Pacholkov, der hier in Zukunft die Messen lesen und die Zeremonien durchführen wird.

Großer Spende

Mit einigem Gottvertrauen hatte Erzpriester Pacholkow Ende 2012 den Vorverkaufsvertrag mit dem Land Berlin abgeschlossen – allein das Geld hatte er da noch nicht. Der riesige russische Gaskonzern Gazprom war in letzter Minute eingesprungen und hatte den Löwenanteil der 440.000 Euro beglichen, die das Land Berlin für das rund 5.500 Quadratmeter große Gelände forderte.
Patriarch und Kirchenoberhaupt Kyrill in Moskau hatte die Gazprom damals schnell zu einer Förderung überzeugen konnte.

Ein Provisorium

„Ich hatte dem Priester damals tatsächlich abgeraten, das große Risiko einzugehen, dieses Grundstück zu kaufen. Das Vertrauen in den Glauben an seine Sache hat ihm schließlich Recht gegeben“, so Stefan Komoß (SPD), der Marzahn-Hellersdorfer Bezirksbürgermeister, der gemeinsam mit der Bundestagsabgeordneten Petra Pau und Bezirksstadträtin Dagmar Pohle (beide Die Linke) auch zur feierlichen Einweihungszeremonie erschienen war.
So schön die traditionell gefertigte Holzkirche mit ihren noch bescheidenen Dimensionen zwischen den Plattenbauten auch wirkt – sie ist nur ein Provisorium. Die Bauteile stammen aus Moskau und deutsche Spezialisten haben sie hier zusammen gebaut. „Wir werden noch kräftig Spenden sammeln, um dann hier eine große Steinkirche aufbauen zu können. Im Moment sind wir aber froh, endlich ein eigenes Haus für unsere Gottesdienste zu haben. Bislang haben wir unsere Messen in der evangelischen Kirche in Alt-Marzahn gefeiert“, erklärt der Pacholkov, der aus der lettischen Hauptstadt Riga stammt und seit 1997 in Deutschland bereits Gemeinden in Kiel, Flensburg, Magdeburg und zuletzt auch im Lichtenberger Ortsteil Karlshorst betreute. 12 Millionen soll so eine feste Kirche mit einem bis zu 30 Meter hohen Turm kosten. „Nach deren Fertigstellung werden wir die Holzkirche als Gemeindezentrum nutzen können“, erklärt der Erzpriester. Kindergottesdienste, Chorausbildung und Unterricht in Ikonenmalerei soll es dann hier geben. Ein Zeitpunkt dafür kann noch niemand nennen.

Auch deutsch

Bis zu drei Mal wöchentlich werden die Messen nun in der neuen Kirche gehalten und auch Taufen, Trauerfeiern und Hochzeiten wird es hier geben. „Zu allen unseren Messen und Feiern sind natürlich alle eingeladen. Wir planen auch Teile der Messen demnächst in Deutsch zu halten“, verspricht der an diesem Tag überglückliche Erzpriester. Auch Bernd Streich, der Vertreter des Diözesenrates der Berliner Katholiken war Gast an diesem historischen Tag imMarzahn: „Im Sinne der Ökumene und des Austausches der verschiedenen Kirchen untereinander freuen wir uns auch auf eine gute Zusammenarbeit“, so der Vorsitzende des Ausschusses der Ökumene des katholischen Erzbistums.

Stefan Bartylla / Bild: Stefan Bartylla

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