Lichter aus im Party-Tempel

Kultur: Der Kult-Club „Sisyphos“ stellt überraschend seinen Betrieb ein

Schlechte Nachrichten für alle Freunde des Berliner Nachtlebens. Der Kult-Club Sisyphos musste vorübergehend seinen Betrieb einstellen. „Oh Schreck, oh Schreck, der Lurch ist weg. Sisyphos‘ Tore bleiben geschlossen. Der Lurch hat sich wohl weggeschossen“, lauten die rätselhaften Zeilen, mit denen der Club in der Rummelsburger Bucht auf seiner Internetseite seine Zwangspause bekanntgab. Dabei hatte das Sisyphos längst sogar schon europaweit Kultstatus erreicht. Elektro-Jünger aus der ganzen Stadt und auch außerhalb Berlins ließen hier regelmäßig die Nacht zum Tag werden. Unter regelmäßigen Besuchern des Clubs macht sich seit Bekanntgabe der Zwangspause nun Bedauern statt Partystimmung breit. Auf sozialen Netzwerken wie Facebook und Co. wird spekuliert, warum der Club mit seinen zwei Tanzflächen, dem großzügigen Außenbereich und der einmaligen Atmosphäre schließen musste.

Nur geduldet

„Die Klubbetreiber hatten nie eine Betriebsgenehmigung“, erläutert Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung Wilfried Nünthel (CDU). Unterlagen, die zu einer Genehmigung des Betriebs benötigt werden, waren von Anfang an unvollständig. Der Club wurde bis zu Fertigstellung der Unterlagen aber vorübergehend geduldet, da die Behörde von einem baldigen Nachreichen der fehlenden Papiere ausging. Ein weiteres Problem war, dass das Sisyphos im direkten Einzugsbereich des Kraftwerks Klingenberg liegt. Bei einer Störung des Kraftwerks wäre keine Evakuierung der Clubbesucher möglich gewesen.

Nachdem Betreiber des Sisyphos dann allerdings ein Evakuierungskonzept für den Fall der schlimmsten Fälle vorlegten, musste der Antrag lediglich noch vervollständigt werden. Der Genehmigung hätte dann nichts mehr im Wege gestanden. „Die fehlenden Auflagen wurden aber nie eingereicht“, so Stadtrat Wilfried Nünthel. Auch nicht, nachdem der Bezirk die Clubbetreiber mehrfach daran erinnert hatte. Vor einigen Wochen war es dann soweit, der Club musste seine Tore aus genannten Gründen schließen. Dabei betont Nünthel, dass der Bezirk durchaus Interesse an einem Bestehen der Diskothek hätte.

Nichts Endgültiges

„Sobald wir die Unterlagen vorliegen haben und diese geprüft sind, steht einer Eröffnung nichts mehr im Wege.“ Unter anderem müsse noch ein Grenzwert für Lärmbelastung festgelegt werden. Rein theoretisch könnte das noch in diesem Jahr passieren. Das liege aber auch in den Händen des Betreibers. Wann das Sisyphos wieder seine Tore öffnen kann, steht also bisher nicht fest.

Noch Hoffnungen

Einen Trost finden Tanzwütige jedoch auf der Internetseite des Clubs: „Bisher ist nicht überliefert, wann Tanzlurche aus Tanzraketen zurückkehren. Einzig, dass es mit lautem Getöse geschehen wird.“ Wenn das keine Hofffnungen macht …

Nabila Lalee / Bild: Stefan Bartylla

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