Die Alten sind überall

Theater: Werkstatt der alten Talente macht Schöneberger Jugend Museum zum Schauplatz

Seit mehreren Jahren arbeiten in verschiedenen Berliner Stadtteilgruppen Seniorengruppen im kreativen Bereich. Sie machen Theater, trommeln, singen, tanzen und entwickeln aus dem eigenen Erleben heraus Programme für alle Generationen. Und nun machen sie sich alle zusammen ans Werk und bespielen vom Keller bis zum Dach das Jugend Museum Schöneberg, Hauptstraße 40–42. Darsteller aus sieben Gruppen der Werkstatt der alten Talende – Theater der Erfahrungen beschäftigen sich mit den Auf- und Umbrüchen des ausgehenden 19. Jahrhunderts, als Berlin heftig in die Breite wuchs und die bis dahin gültigen Klassenschranken ins Wackeln gerieten. 50 ältere Menschen aus sämtlichen Ecken der Stadt präsentieren eine Theaterproduktion, gemeinsam erdacht und gestaltet, die dem Publikum an verschiedenen Stationen des Hauses Einblicke in die Welt der sogenannten Millionenbauern gibt und es mitnimmt in eine andere Zeit. Aufführungstermin ist am 25. Oktober, um 17 Uhr.

Reich über Nacht

Berlin in den Gründerjahren ist ein Ort großer Veränderungen. Die Stadt wird Hauptstadt und zieht viele Menschen an, die auf der Suche sind nach städtischem Vergnügen und Wohnraum, um ein neues Leben zu gestalten. So machten die Bauern, die vor den Toren der Stadt lebten und arbeiteten, gute Geschäfte, denn sie verkauften ihr Land als Bauland. Sie wurden über Nacht so reich, dass sie den Namen „Die Millionenbauern“ bekamen. Die Villen, die auf ihren ehemaligen Ländereien errichtet wurden, nannte man „Millionenbauern-Villen“. Die Bauern erhofften sich von ihrem plötzlichen Reichtum auch gesellschaftlichen Aufstieg. Denn eine Bauerstochter war plötzlich eine interessante Partie.

Besondere Kulisse

Eine außergewöhnliche Kulisse bringt auch einen außergewöhnlichen Aufführungsstil mit sich. So ist die übliche Grenze zwischen Zuschauer und Schauspieler beim Stück „Millionenbauern“ aufgehoben. Es wird nicht klassisch auf einer Bühne gespielt, wie im Theater meist üblich, sondern das Publikum wird eingeladen, gemeinsam eine Wanderung durch das Jugend Museum Schöneberg zu machen. An verschiedenen Stationen erleben sie kleine Szenen, die nach und nach die Geschichte um die Millionenbauern lebendig werden lässt.

Geschichte und Gegenwart

Wie Überreste aus vergangenen Zeiten finden sich heute die Millionenbauern-Villen aus der Gründerzeit entlang der Schöneberger Hauptstraße. Rings um die alte Dorfaue, heute verkehrsumtost, lag Alt-Schöneberg. Von Beschaulichkeit und Landidylle ist im Straßenbild nichts mehr zu spüren. Wer sich für die Geschichte des Bezirks interessiert, geht deshalb besser ins Jugend Museum, das seit 1994 in einer dieser Villen untergebracht ist. Von der Beletage bis zum Kellergeschoss können junge (und erwachsene) Besucher hier ihre Entdeckungen machen – in den Wunderkammern warten Wunderkisten, die Villa Global lädt ein zum Türenöffnen und im Souterrain  kann gewerkelt werden. Alles dreht sich um Geschichte, aber irgendwie auch immer um die Gegenwart und das Leben von Menschen – damals wie heute. Das Jugend Museum hat in den letzten 20 Jahren nicht nur viele Freunde gewonnen, sondern auch Partner, die die Arbeit mit ihrem Ansatz bereichern. Dazu gehört auch das Theater der Erfahrungen, das schon oft zu Gast war.

Sara Klinke / Bild: Promo

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