Ein Berliner zum Selberbasteln

Kiez-Kunst: Dorit Bialer fertigt aus Playmobil-Figuren echte Hauptstadt-Typen

Bunte Frisuren, eine Flasche Bier und eine Sammelschale für ein paar Münzen, fertig sind die beiden Friedrichshainer Punks. Doch die beiden lustigen Figuren sind nicht tatsächlich irgendwo in Friedrichshain anzutreffen, sondern stehen in einer kleinen Box in einem Pankower Atelier. Seit 2011 gestaltet die Künstlerin Dorit Bialer aus Playmobilfiguren und selbstgebasteltem Zubehör Berliner Charaktertypen. Dabei sind schon ganz unterschiedliche Figuren herausgekommen wie die unterbezahlte Praktikantin, der hungernde Künstler oder der Neuköllner Immigrant. So gehört zu der unterbezahlten Praktikantin auch der Chef mit Peitsche, dem Hipster werden die verschiedensten Bärte angeklebt und die Prinzessin aus Prenzlauer Berg schiebt natürlich einen Kinderwagen vor sich her.

Lustige Klischees

Wie kam die Künstlerin auf diese originelle Idee? „Ich habe in einem Geschäft eine Playmobilfigur gesehen, die mit ihrem Bart für mich aussah wie ein Kreuzberger Anarchist“, erzählt Dorit Bialer. Was ihm noch fehlte, waren eine Fackel, eine Bierflasche, ein Banner mit einem antikapitalistischen Schriftzug sowie einige Steine zum Werfen. Bis heute ist der Kreuzberger Anarchist ihr Liebling unter den mittlerweile zahlreichen Figuren. Eines haben alle gemeinsam. Sie machen sich über die Klischees und Besonderheiten der verschiedenen Berliner Kiezbewohner lustig. Menschen, die Doris Bialer selbst getroffen hat und sie fasziniert haben. „Mit den Figuren möchte ich auch zeigen, wie bunt Berlin eigentlich ist“, erzählt Doris Bialer, die ursprünglich aus Israel kommt und seit einigen Jahren in Berlin lebt. „Das gefällt mir besonders an der Stadt. Jeder kann hier sein, wie er will.“ 75 Euro kostet so ein Set. Wer möchte, kann bei der Künstlerin auch sich selbst als Playmobil-Figur in Auftrag geben. Mindestens einen halben Tag braucht die 32-Jährige für ein Mini-Kunstwerk. Denn gerade die kleinen Dinge, die den Figuren ihren Charakter verleihen, muss die Künstlerin mit viel Feinarbeit und Kreativität selbst herstellen. Jede Figur ist dabei ein Unikat. Dabei sollen diese nicht nur belustigen, sondern auch Probleme aufzeigen. „Ich versuche auch auf die Menschen, die oft am Rande der Gesellschaft stehen, aufmerksam zu machen und sie mit meinen Figuren zu kleinen Helden zu machen“, so Doris Bialer. „Und ich glaube, dass das am besten über Humor funktioniert. Wenn die Leute über eine Sache lachen müssen, schauen sie auch genauer hin.“

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Nabila Lalee / Bild: Nabila Lalee

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