„Was bleibt von mir?“

Ausstellung: Fotoessayistin Bettina Flitner beantwortet bis 7. Dezember in der Königlichen Porzellan-Manufaktur diese schwierige Frage

„Ich war sofort von diesem Projekt überzeugt. Das Thema beschäftigt mich schon lange, und ich finde die Initiative überzeugend und sinnvoll. Außerdem habe ich mich gefreut, einige der Personen wieder zu sehen“, sagt die in Köln geborene Fotoessayistin Bettina Flitner bei der Ausstellungseröffnung. Sie stellte elf bekannten Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kunst und Politik in deren gewohnter Umgebung die Frage „Was bleibt von mir, wenn ich nicht mehr bin?“ und porträtierte sie in gewohnter, vertrauter Umgebung. Entstanden sind großformatige Fotoarbeiten der Persönlichkeiten in selbst gewählter Umwelt, die in Form des Triptychons mit Zitaten und Gedanken ergänzt worden sind.

Gutes tun

Die Initiative „Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum“ stellt die Fotoessays Flitner, die an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin mit Hauptaugenmerk auf die Fotografie studiert hat, mit Zitaten der Dargestellten nun erstmalig in der Königlichen Porzellan-Manufaktur in Berlin-Charlottenburg vor, ab kommendem Jahr wird die Ausstellung in zahlreichen Städten Deutschlands zu sehen sein. Die Porträts und Gedanken von Egon Bahr, Günter Grass, Margot Käßmann, Dieter Mann, Ulf Merbold, Reinhold Messner, Anne-Sophie Mutter, Christiane Nüsslein-Volhard, Friede Springer, Richard von Weizsäcker und Wim Wenders in Ausstellung und einem am 17. November erscheinenden Buch sollen Auftakt zu einem Diskurs zu den Themen Tod, Nachlass, Erbe, Weitergabe von Wissen, Werten und Moral sein. „Wir wollen einen öffentlichen Dialog anregen und Berührungsängste abbauen“, erklärt Susanne Anger, Sprecherin der Initiative „Mein Erbe tut Gutes“. Denn die Frage nach dem, was einmal bleiben soll, sei aktueller denn je: „Noch nie zuvor wurde in unserem Land so viel Vermögen vererbt. Zugleich haben immer mehr Menschen den Wunsch, mit ihrem Erbe auch die eigenen Werte weiterleben zu lassen.“

Das Wesentliche

„Gute Stücke haben immer eine Bedeutung. Dazu müssen wir sie so spielen, dass sie andere etwas angehen. Wenn ich es geschafft habe, Menschen in die Lage zu versetzen, das Wesentliche zu erkennen, ist das etwas sehr Schönes“, lautet das Zitat des bei Berlin lebenden Theater- und Fernsehschauspielers Dieter Mann. „Ich war sehr erstaunt, als ich gefragt worden bin“, sagt Mann bescheiden bei der Vernissage, ließ sich aber nach anfänglichem Zögern bereitwillig von Flitner mitten im Wald ablichten. „Den Mut zu haben, das Undenkbare zu denken und auch danach zu handeln, ist das, was bleibt“, zitiert Egon Bahr. Pate für den Titel der Ausstellung steht das Martin Luther zugeschriebene Zitat „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“.

Info

Die Ausstellung in der Wegelystraße 2, 10623 Berlin, kann montags bis sonnabends von 10 bis 18 Uhr besucht werden. Der Eintritt ist frei.

Michaela Bavandi / Bild: Michaela Bavandi

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