Buckower fühlen sich ausgebootet

Wohnungsbau: Senat zieht möglicherweise Bebauungsplanverfahren an sich

Die geplante Bebauung der Buckower Felder sorgt erneut für Zündstoff. Die Bürgerinitiative „Rettet die Buckower Felder“ (BI) wirft dem Bezirk vor, das laufende Bürgerbegehren außer Kraft setzen zu wollen. Kürzlich war bekannt geworden, dass die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung das Bebauungsplanverfahren in Kürze an sich ziehen könnte. Das seit dem 28. Juli laufende Bürgerbegehren ist aber an die Planung des Bezirks geknüpft. „Was hier passiert, ist ein Austricksen der Bürger und ein Eingriff in die Bürgerrechte“, teilt die BI mit. Bis zum 28. Januar liegen in Geschäften und Gaststätten im Bezirksgebiet Unterschriftenlisten aus.

„Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung plant, das Gebiet Buckower Felder als Gebiet von außergewöhnlicher stadtpolitischer Bedeutung auszuweisen“, so ein Senatssprecher. Das Verfahren sei im „politischen Entscheidungsprozess“. Zur Begründung hieß es, die Flächen befänden sich im Eigentum des Landes Berlin und seien im Flächennutzungsplan für Wohnbebauung vorgesehen. „Das Gebiet ist gut in die gesamtstädtische Struktur integriert und sowohl die technische wie die soziale Infrastruktur im Umfeld sind bereits vorhanden und erlauben daher eine zügige Bebauung“, so der Sprecher.

Tempelhofer Lehre. Die bisherigen Planungen sehen vor, neun von 15,5 Hektar der zurzeit von zwei Landwirten genutzten Fläche mit Wohnungen zu bebauen. Damit soll vor allem der Nachfrage nach günstigem Wohnraum begegnet werden. Entsprechende Senatspläne für das Tempelhofer Feld waren im vergangenen Sommer an einem Volksentscheid gescheitert. Die BI will die Bebauung komplett verhindern – unter anderem, weil das bestehende Straßennetz im Bereich Buckower Damm/Gerlinger Damm für die geplanten 676 Wohnungen nicht ausgelegt und nicht erweiterbar sei. Das höhere Verkehrsaufkommen würde zudem steigende Lärm- und Schadstoffbelastungen mit sich bringen. Obendrein ginge der dörfliche Charakter von Alt-Buckow verloren. Stattdessen sollen die Grünflächen erhalten und als landwirtschaftliche Nutzfläche im Flächennutzungsplan ausgewiesen werden. „Sollte der Senat das Verfahren tatsächlich an sich ziehen, wäre das ein ziemlicher Hammer“, sagt Jochen Biedermann (Grüne), der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses. „Ein Bürgerbegehren als demokratische Beteiligungsform zu torpedieren, kann nicht die Lehre aus Tempelhof sein.“ Biedermann vermutet hinter dem Schritt eine Initiative des Bezirks. Baustadtrat Thomas Blesing (SPD) ließ mitteilen, von den Überlegungen des Senats „Kenntnis zu haben“. „Die Bürgerinitiative hat ein faires Verfahren verdient, selbst wenn die Grünen die Forderung nach einer Nulllösung für die Bebauung nicht teilen“, so Biedermann. „72 günstige Wohnungen sind allerdings kein schlagkräftiges Argument für den Bebauungsplan.“ Eine Große Anfrage der Linken an das Bezirks­amt hatte ergeben, dass von 363 in Mehrfamilienhäusern vorgesehenen Miet-Wohneinheiten rund 20 Prozent zu Quadratmeterpreisen von 6,50 Euro angeboten werden sollen. Die übrigen 313 Wohnungen entfallen unter anderem auf Stadtvillen.
Für den 6. Dezember ruft die BI zu einer Demonstration gegen die Bebauung der Buckower Felder auf. Treffpunkt ist um 16 Uhr am U-Bahnhof Hermannstraße.

Nils Michaelis / Archivbild: Anne Langert

WEITERSAGEN

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden. Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.

Schließen