Der Schiefe vom Prenzlauer Berg

Der Schiefe vom Prenzlauer Berg

Bauen: Schornstein der Kulturbrauerei wird teilweise abgetragen und wohl erneuert

Eigentlich sollte es nur eine routinemäßige Schornstein-Wartung werden. Doch als Ronny Gneiting und sein Team dem 58 Meter hohen Wahrzeichen der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg per Kran auf den Leib rückten, war schnell klar: Hier hilft nicht mehr kleckern, sondern nur noch klotzen. Das um 1870 entstandene Bauwerk hat nämlich nicht nur lose Steine und Fugen. Viel schlimmer wiegt, dass der Schornstein nicht mehr ganz im Lot steht. Er neigt sich etwas – in nördliche Richtung. Die zuständige Firma Gegenbauer reagierte sofort, veranlasste die Sperrung des unmittelbaren Schonsteinumfeldes und die schnellstmögliche Gefahrenabwehr. Ab Mitte Oktober wurde der Schornstein komplett eingerüstet, damit die Fachleute den Riesen besteigen und mit Ausbesserungsarbeiten beginnen konnten. Mieter und Besucher der Kulturbrauerei waren davon glücklicherweise nicht betroffen.

Neigung auffangen

Spezialfirmen wie die hier zur Hilfe gerufene Jünger+Gräter GmbH aus Berlin-Mitte können manchmal Schlimmeres verhindern, indem sie den Schornstein an einer Stelle aufschlitzen. Stück für Stück entfernen sie dann Ziegel um Ziegel, um diese zunächst durch Keile und später durch extra gefertigte, leicht größere Ziegel zu ersetzen. Diese fangen die Neigung des Bauwerks auf und drücken den Schornstein wieder ins Lot. „Dies funktioniert aber nur, wenn der Schornstein noch im ursprünglichen Zustand ist.“ Wenn, wie im Falle des Langen von der Kulturbrauerei, bereits früher einmal ein Schiefstand beseitigt wurde, verbietet sich ein solcher Kunstkniff, erklärt Ronny Gneiting. Und er zeigt auf den, auch für Laien deutlichen Unterschied im Mauerwerk ab der Höhe von 38 Metern. „Bis dahin ist der Schornstein schon einmal abgetragen und dann wieder neu hoch gemauert worden. Ich schätze in den 1920er Jahren.“ Und genau das bleibt wohl dem Eigentümer auch jetzt nicht erspart. Bevor weitere Arbeiten beginnen, haben zwar zunächst die Denkmalschutzbehörde und der Statiker das Wort. Doch Grit Sperschneider, Centermanagerin der Kulturbrauerei, ist sich sicher: „Der Denkmalschutz verlangt zu 100 Prozent, dass der Schornstein wieder wie zuvor aufgebaut wird.“

Vorerst Winterruhe

Seit Oktober wurden vorerst 3,50 Meter aus Sicherheitsgründen abgetragen. Nun ist der Schornstein erst mal ungefährlich, sagen Gneiting und Sperschneider. Billig wird eine Sanierung nicht, denn nur etwa die Hälfte der abzutragenden Steine, können erfahrungsgemäß wieder verwendet werden. Die zu ersetzenden aber sind teure Spezialanfertigungen, etwa 15,50 Euro pro Ziegel. So schätzen Fachleute die Sanierungskosten insgesamt auf zwischen 100.000 und 200.000 Euro. Die Reparatur beginnt jedoch nicht vor dem Frühjahr. Die Kulturbraurei besitzt übrigens noch einen zweiten, etwas kürzeren Schornstein. Für den gibt Ronny Gneiting indes komplett Entwarnung: „Dort hat unsere normale Wartung völlig ausgereicht. Der ist erst mal versorgt.“

Michael Hielscher / Bild: Jünger+Gräter

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