Leuchtturm der Nachhaltigkeit

Wohnprojekt:  La-Vida-Verde will Weitlingkiez bunter machen

Wer in Berlin nach Wohnungen sucht und sich über eine niedrige Kaltmiete freut, ist beim Anblick der Nebenkosten oft schnell ernüchtert. Für die Menschen im Hausprojekt La-Vida-Verde in der Sophienstraße ist diese „zweite Miete“ dagegen so gut wie Geschichte: Als Energie-Plus-Haus sparen sie nicht nur Kosten für Heizung oder Abwasser, sie wollen mittelfristig als Beispiel für dezentrale Energieversorgung im Kiez auftreten. „Der Großteil unserer Bewohner ist auf Nachhaltigkeit bedacht“, erklärt Jana Werner vom Hausprojekt. Mit energiesparenden Geräten, Photovoltaikanlagen oder dämmender Bauweise sollen 80 Prozent des durchschnittlichen Energiebedarfs eingespart werden. Geplant ist auch ein eigener Wasserkreislauf. Ermöglicht wurde das Projekt dabei durch Direktkredite von Privatpersonen.

Mit Wirkung

Angefangen hat alles 2009, als sich eine aus zwei Familien bestehende Kerngruppe bildete, um ein nachhaltiges und soziales Wohnprojekt zu verwirklichen. Mittlerweile gehören 38 Menschen vom Säugling bis zur 70-Jährigen zu La-Vida-Verde, die in unterschiedlichen Wohnformen zusammen leben. „Wir ruckeln uns ganz gut zurecht“, berichtet Werner. Noch seien nicht alle Räume nutzbar, sodass sich die angestrebte Gemeinschaft zur Zeit auf Arbeitstreffen beschränke. Zukünftig sollen aber auch andere Aktivitäten möglich sein, Aktivitäten, bei denen auch der Kiez miteinbezogen wird. „Wir verstehen uns als Leuchtturmprojekt, das seine Lösungen zu technischen und organisatorischen Fragen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen will. Wir möchten unmittelbar in unsere Wohnumgebung hineinwirken und stellen Gemeinschaftsräume zur Mitnutzung durch Kiezprojekte zur Verfügung“, heißt es in einer Erklärung des Projekts. Werner glaubt, dass La-Vida-Verde das Stadtbild schon jetzt „bunter“ mache.

Neue Probleme

Den Eigenwert von solchen Hausprojekten hatte zuletzt auch die Bundesregierung erkannt, die ihr umstrittenes Kleinanlegerschutzgesetz entschärfte. Die für große Unternehmen gedachten Regularien hätten die Arbeit von kleinen Genossenschaften, die auf Direktkrediten basiert, sehr erschwert. „Wir haben uns über die Änderungen und die Anerkennung von sozialen Projekten sehr gefreut“, sagt Jana Werner. Gleichwohl sei man noch immer von dem Gesetz betroffen, das unter anderem eine Obergrenze der eingeworbenen Gelder von einer Million Euro vorsieht: „Da liegen wir mit unserem Neubau knapp drüber. Und wenn man im Prenzlauer Berg bauen würde, wäre die Summe vermutlich schnell doppelt so hoch.“ Auch das Verbot, Kreditgeber außerhalb von Wirtschaftszeitschriften zu werben, passe nicht zu der grundsätzlichen Idee ökologisch-sozialer Wohnprojekte, in die meistens Idealisten investieren würden. Bis zum Sommer will La-Vida-Verde entscheiden, wie man mit den noch bestehenden Problemen umgeht. „Wir hoffen aber auch, dass das ein oder andere Argument noch greift und die Fallstricke beseitigt werden“, sagt Werner.

Offiziell Einweihung

Für die angenehmen Dinge blieb bei all dem Trubel noch wenig Zeit. Dies soll sich aber bald ändern. Im Frühling will man das Projekt mit einem Fest auch endlich offiziell einweihen.

Philip Aubreville / Bild: Viva Verde

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