Die Angst vor den Obdachlosen

Schöneweide: Vorurteile über das Haus Hebron sollen mit Gesprächen abgebaut werden

Die Anwohner in der Hartriegelstraße in Niederschöneweide sind skeptisch, die Angst vor den neuen Nachbarn wächst: Die Obdachlosenunterkunft „Haus Hebron“ soll aus Adlershof in das Wohngebiet ziehen. Die Pläne sind seit 2009 bekannt. Seitdem gibt es Misstrauen am zukünftigen Standort. Eine Bürgerinitiative bildete sich gegen den Umzug. Und auch wenn ein Arbeitskreis leichte Entspannung bringen konnte, blieben Fragen offen. Im Sommer 2015 soll der Neubau eröffnet werden. Jetzt versucht der Verein für soziale Alternativen „Die Kappe e.V.“ zu vermitteln.

Wilde Gerüchte

Das Gebiet um die Hartriegelstraße ist eine Wohnsiedlung mit Einfamilienhäusern und Genossenschaftsbauten aus den 1960er- und 70er- Jahren. Hier gibt es auch drei Grundschulen und sechs Kindertagesstätten, einige davon liegen in unmittelbarer Nachbarschaft der zukünftigen Obdachlosenunterkunft. „Wir haben festgestellt, dass es vor allem unter den Eltern ein Thema ist“, sagt Thomas Mosebach von „Die Kappe“. „Da gingen die wildesten Gerüchte um.“ Der Verein wolle sich allerdings nicht positionieren oder instrumentalisieren lassen, sondern für Aufklärung auf beiden Seiten sorgen. Zu diesem Zweck trafen sich die Leiterin der Kreativitäts-Kita, der stellvertretende Schulleiter der Kreativitäts-Grundschule Treptow und die Leitung des Hauses Hebron und besuchten die Obdachlosenunterkunft. „Das war ein guter Austausch“, bewertet Mosebach die Situation und auch Kita-Leiterin Astrid Laabs sagt: „Der erste Schritt ist getan.“ In nächster Zeit sollen auch Informationsveranstaltungen für Eltern und Pädagogen stattfinden, um Ängste abzubauen. Zudem steht das „Haus Hebron“ jederzeit für Besucher offen, die sich informieren und ein Bild von der Einrichtung machen wollen. Und Mosebach kündigt noch weiteren Dialog an: „Wir werden das Thema Obdachlosigkeit in Kitas und Schulen kindgerecht aufarbeiten und eventuell auch Obdachlose einladen, damit die Kinder mit ihnen sprechen können.“ Dies werde aber natürlich im Vorfeld mit den Eltern abgesprochen und nur mit deren Einverständnis geschehen. „Aber wir haben die Erfahrung gemacht: Je jünger, desto weniger Vorurteile“, so Mosebach. „Diese Chance wollen wir nutzen.“ Der Neubau des Hauses Hebron befindet sich mittlerweile in der Endphase des Innenausbaus. Im Juni nächsten Jahres sollen die gut 120 Bewohner der Einrichtung umziehen. In Berlin gibt es rund 150 Obdachlosenunterkünfte. Mosebach ist optimistisch, dass am Ende alle mit dem Umzug zufrieden sind: „Im schlimmsten Fall wird es ein einfaches Nebeneinander. Im besten Fall sind aber alle aufgeklärt und wir können sogar ein Vorbild dafür werden, wie man mit solchen Fragen gelassen umgeht und ein Zeichen setzen: Dialog bringt weiter!“

Thorsten Mumme / Bild: Die Kappe e.V.

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