Die Wut über den Verfall wächst

Grünau: Bezirk sichert Riviera und Gesellschaftshaus / Abgeordneter fordert Enteignung

Wie geht es weiter mit dem Gesellschaftshaus Riviera und dem Gesellschaftshaus in Grünau? Seit Jahren verfallen die denkmalgeschützten Gebäude am Dahmeufer. Während die Eigentümerin seit Jahren viele Bauvorhaben ankündigt, ohne sie umzusetzen, laufen im Auftrag des Bezirks derzeit Arbeiten, um die Bausubstanz vor Feuchtigkeit zu schützen. Unterdessen werden Forderungen laut, härter gegen die Besitzerin der einst beliebten Ausflugsziele vorzugehen.

Sicher durch den Winter

„Das Vorgehen der Eigentümerin ist schändlich, das Bezirks­amt sollte drastischere Maßnahmen wie ein Bußgeld oder die Enteignung in Erwägung ziehen“, sagt Bernd Hamm von der AG Ortsgestaltung in Grünau. Das Bezirksamt ließ Vorstöße bislang unkommentiert. Jetzt sind auf dessen Anordnung Sicherungsarbeiten an den Gebäuden angelaufen. „Die Eigentümerin hat nicht einmal das Allernötigste veranlasst“, kritisiert Regina Zeidler, die Leiterin des Stadtentwicklungsamts. Die Arbeiten an Fenstern, Türen und der Regenrinne sind bereits abgeschlossen, auch der Pflanzenbewuchs wurde beseitigt. Im Rahmen einer zweiten Ersatzvornahme wird auf Kosten der Eigentümerin das Dach des Ballhauses gesichert. „Wir machen die Gebäude wintersicher, alles andere ist zweitrangig“, so Zeidler. Selbst diese Arbeiten, die nur gröbste Schäden verhindern können, seien mit hohen rechtlichen Hürden verbunden, so Zeidler. „Bevor Mitarbeiter des Bezirksamts das Grundstück betreten können, müssen wir jedesmal eine Durchsetzungsanordnung erstellen.“ Der Bezirk müsse sich jedes Betreten des Geländes erkämpfen, fühle sich in diesen Bemühungen aber durch Hamms Bürgerbündnis unterstützt. Die in der Türkei lebende Besitzerin Refika Erdem und deren Bevollmächtigter hatten mehrfach Widerspruch dagegen eingelegt. In einem Brief an Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD) hat sich der Wahlkreisabgeordnete Robert Schaddach (SPD) ebenfalls dafür ausgesprochen, härtere Schritte wie eine Enteignung zu prüfen. Schaddach: „All das Erlebte lässt nicht hoffen, dass sich die Aktivitäten der Eigentümer und deren Beauftragten in der nächsten Zeit verbessern werden, um das Denkmal zu sanieren, das für den Ortsteil Grünau und ganz Berlin ortsteilprägend ist, aber auch ein touristischer Anziehungspunkt sein kann.“ Viele Hilfsangebote sowohl aus der Bürgerschaft, der Bezirks- und Landesverwaltung, als auch von Abgeordneten seien zum Teil nur zum Schein angenommen worden. Aus seiner Sicht bleibe nur, ein Enteignungsverfahren einzuleiten und dann ein Nutzungskonzept unter Einbeziehung und Sanierung des Denkmals zu erarbeiten. Erdem hatte das Gelände im Jahr 2006 gekauft. Seitdem ließ sie mehrere Konzepte für die künftige Nutzung vorgelegen, doch passiert ist nichts. Das gilt auch für den Erhalt oder die Sanierung des Komplexes.

Elegantes Flair

Riviera, Gesellschaftshaus und Kavaliershaus, war rund 100 Jahre lang beliebtes Ausflugsziel für Menschen aus ganz Berlin, die in dem eleganten Ballsaal oder im Biergarten feierten. Nach 1990
blieben die Besucher aus und die Gebäude standen leer. Das Kavaliershaus wurde 1999 abgerissen. Geht es nach den Wünschen des Bezirks und der AG Ortsgestaltung, soll dieses Schicksal den verbliebenen Häusern erspart bleiben.

Weitere Informationen:
www.riviera-retten.de

Nils Michaelis /Archivbild: imago/Thomas Lebie

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