Mieter bangen um ihr Zuhause

Demo: Anwohner kämpfen gegen Modernisierungspläne eines Investors in der Gleditschstraße

Sie ist in aller Munde, die sogenannte „Soziale Erhaltungsverordnung“ (EVO), auch unter Milieuschutz bekannt. Mit dieser Verordnung sollen Bewohner bestimmter Gebiete vor Verdrängung bewahrt werden. Rund 250 Mieter in der Schöneberger Gleditschstraße fürchten, dass ihre Wohnungen jetzt aufwendig modernisiert werden, die Mieten dann stark steigen und sie sich diese nicht mehr leisten können. Doch die EVO gilt auch für diese Straße.
Am Nikolaustag demonstrierten Anwohner, darunter viele Familen und Rentner, die schon seit Ewigkeiten in der Gleditschstraße leben, gegen die Vorhaben des Eigentümers der Häusernummern 49, 51, 53, 57, 59, 61, 63, 67 und 69. Sie fordern vom Bezirksamt Unterstützung für eine sozialverträgliche Modernisierung. Denn noch ist nichts entschieden. Die Anträge umfassen Maßnahmen zur Wärmedämmung mit dem Austausch aller Fenster und der Eingangstür inklusive Entlüftung, teilt Bezirksstadträtin Dr. Sibyll Klotz (Grüne) mit. „Das entspricht den Vorgaben der Energieeinsparverordnung“, erklärt sie. Ebenfalls beantragt seien neue Balkone und Aufzüge sowie ein Dachgeschossausbau. Die Verwaltung prüfe derzeit die Maßnahmen und hatte dazu bereits einige Male Kontakt zum Vermieter. „Die komplette Modernisierung mit Umlage der Kosten auf die Miete ist so nicht genehmigungsfähig, weil sie den Zielen der EVO widerspricht“, bestätigt Klotz die Vermutungen der Anwohner. Allerdings habe der Vermieter sich bereits bereit erklärt, die zukünftige Miete bei 7,50 Euro pro Quadratmeter zu deckeln.
Anwohner Jens Hakenes befürchtet, dass der Bezirk den Plänen des Investors nachgibt. „Die Verwaltung hat die Möglichkeit, nur weniger teure Modernisierungen zu genehmigen. Wir alle hoffen, dass diese Chancen auch wahrgenommen werden.“ Letztendlich müsse die Auseinandersetzung über die Inhalte von Modernisierungen zwischen Mieter und Vermieter stattfinden, sagt Klotz. Hakenes sieht das genauso: Er und die Anwohner fordern mehr Transparenz bei den Planungen. „Wir wollen als Mieter berücksichtigt werden und stehen für eine sozialverträgliche Modernisierung unserer Wohnungen.“

 

Sara Klinke / Bild: www.gleditschstrasse.de

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