Spaziergang zum Brandenburger Tor

Tourismus: Modellpark Berlin-Brandenburg zeigt Wahrzeichen und schafft Chancen für Langzeitarbeitslose

Vom Jüdischen Museum in ein paar Minuten zu Fuß zur Siegessäule? Im Bezirk Mitte wäre das kaum zu schaffen. In Schöneweide hingegen kein Problem. Zwischen dem Sommerbad Wuhlheide und dem FEZ liegt eine Attraktion, mit der man Berlin und Umgebung in wenigen Schritten erkunden kann. Der Modellpark Berlin-Brandenburg ist mit über 80 Modellen auf einer Fläche von rund drei Hektar ein großes Freilichtmuseum bedeutender Bauwerke in Berlin und Brandenburg. Und dabei soll es nicht bleiben. „Im Modellpark kommen jedes Jahr neue Modelle beziehungsweise gestaltete Elemente hinzu“, kündigt Peter Krause vom Modellpark an.

Bauwerke der Region

„Die Zitadelle Spandau befindet sich gerade in Vollendung“, so Krause weiter. „Außerdem wird derzeit an der Treptower Sternwarte und der Lichtenberger Erlöserkirche gearbeitet.“ Die Beispiele zeigen bereits, dass im Modellpark nicht nur die üblichen Touristen-Attraktionen der Hauptstadt ausgestellt werden, sondern auch auf Geschichte und Bedeutung der einzelnen Regionen eingegangen wird. So werden Rathäuser, große Industriebauten oder Schlösser der Berliner Bezirke ebenso gezeigt, wie aus der Prignitz oder dem Fläming. Die Britzer Mühle steht neben Schloss Köpenick, das Kleistmuseum Frankfurt an der Oder neben Schloss Reichenow. Der Park ist geografisch geordnet. Alle Modelle sind im Maßstab 1:25. Der in echt 104 Meter breite und 137 Meter lange Reichstag misst so nur noch fünf mal sechs Meter. Die übliche Bauzeit eines Modells beträgt sechs bis acht Monate – alles in Handarbeit. Mit zwei Jahren ist der Reichstag in dieser Hinsicht Spitzenreiter. Übliche Modellbaustoffe wie Gips oder Karton können bei den Modellen nicht verwendet werden, da sie Wind und Wetter aushalten müssen. Also werden Grundwerkstoffe so lange bearbeitet, bis sie die richtige Form haben. Ergänzt wird der Modellpark durch einen Spielplatz, einen Kräutergarten und einen Imbiss.

Integrativer Ansatz

Derzeit arbeiten drei Personen im Modellpark. Im Sommer wird jedoch mehr Personal benötigt. „In der Sommersaison wird durch geförderte Projekte der Jobcenter die Besucherbetreuung unterstützt“, so Krause. „Ein Schwerpunkt sind hier die kindergerechten Führungen durch den Modellpark sowie die Führungen für blinde und
sehschwache Personen.“

Neue Jobs

Den Modellpark in der Wuhlheide gibt es seit 2007. Hervorgegangen ist er aus einer Projektidee des freien Trägers BUS (Bildung, Umschulung, Soziales), der seit 2000 in verschiedenen Berliner Bezirken Modellbau-Werkstätten aufbaute, die von den jeweiligen Jobcentern gefördert wurden. Durch den Modellbau soll Langzeitarbeitslosen eine sinnvolle Tätigkeit angeboten werden. Langfristig sollen so nicht-subventionierte Arbeitsplätze entstehen. Nach Absprache können auch junge Parkbesucher gleich vor Ort mit dem Basteln beginnen. Im „Kreativ-Zelt“ können die frischen Eindrücke gleich in eigenen Kunstwerken
umgesetzt werden.

Thorsten Mumme / Archivbild: imago/Bernd Friedel

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