Der Abschied des Kiez-Spaziergängers

Rückblick: Chef der Pressestelle geht in Ruhestand

Kaum jemand kennt Charlottenburg-Wilmersdorf besser als Karl-Heinz Metzger. Über 30 Jahre arbeitete der gebürtige Schwarzwälder in der Pressestelle des Bezirks und führte in 156 Spaziergängen die Bürger durch seinen geliebten Kiez. Jetzt verabschiedete sich Metzger in den wohlverdienten Ruhestand. Gemeinsam mit der damaligen Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen hat er vor zwölf Jahren die legendären Kiez-Spaziergänge ins Leben gerufen. Jeden zweiten Sonnabend im Monat führte er seitdem interessierte Menschen zu wichtigen Plätzen und Gebäuden im Bezirk. Jede Tour wurde zur liebevollen Geschichtsstunde. Metzger erzählte launige Geschichten über berühmte Kiez-Persönlichkeiten wie Heinrich Zille oder zeichnete den Weg der Verfolgungsjagd durch Charlottenburg von Emil und den Detektiven aus dem berühmten Roman von Erich Kästner nach. Dadurch habe Metzger das öffentliche Bild des Bezirks stark geprägt und beeinflusst, lobte Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) seinen langjährigen Mitarbeiter. „Im Namen des Amtes spreche ich ihm für sein herausragendes, stadtweit sehr geschätztes Wirken Dank und Anerkennung aus.“

Nachfolgerin gefunden

Die beliebten Runden durch den Kiez sollen aber auch nach dem Abschied von Karl-Heinz Metzger weiter stattfinden. „Es gibt bereits eine Nachfolgerin, die die Spaziergänge neu und anders, aber sicher genauso gut gestalten wird“, sagt Metzger. Mit Monika Thiemen verbindet ihn eine besondere Freundschaft. „Es war eine tolle Zeit“, sagt er über seine „Lieblingsbürgermeisterin“ von insgesamt fünf Bezirks-Chefs, für die er tätig gewesen ist. „Meine Arbeit an sich war immer sehr abwechslungsreich und interessant“, blickt er zufrieden auf ein erfülltes Berufsleben zurück.

Pionierarbeitet geleistet

Metzger kommt 1976 nach Berlin, nimmt 1984 in einem Projekt der Historischen Kommission zur 750-Jahr-Feier Berlins in Wilmersdorf die Arbeit auf und übernimmt dort 1986 die Leitung der Pressestelle. Er hat eine Reihe von Büchern zur Wilmersdorfer Geschichte und den Kurfürstendamm veröffentlicht. Besonders stolz ist er auf sein Werk „Die Kommunalverwaltung unter dem Hakenkreuz. Berlin-Wilmersdorf 1933-45. Stadtgeschichte in der NS-Zeit“. „Das war Pionierarbeit und besonders erschreckend die Feststellung, wie groß die kommunale Bereitschaft war, die Ideologie des Nationalsozialismus in der Gemeinde selbst umzusetzen“, sagt Metzger. Und was hat der Pensionär für die nächste Zukunft geplant? Da möchte der studierte Historiker und Germanist endlich mehr Zeit mit seiner Frau verbringen, vielleicht ein weiteres Buchprojekt umsetzen und vor allem Klarinette spielen. Der Liebhaber jüdischer Klezmer-Musiktradition lebt seine Leidenschaft bei der Gruppe „KiezKlezmer“, im Charlottenburger Kiez am Klausenerplatz auf seiner Klarinette aus. Erstmals kennen- und schätzen gelernt hat Metzger die Klezmer-Musik 1984 in einem von Peter Zadek inszenierten Stück in der Freien Volksbühne. „Seither lässt sie mich nicht mehr los“, sagt der Spaziergänger im Ruhestand.

Michaela Bavandi

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