Von der ästhetischen Erfahrung überwältigt

Malerei: In der Ausstellung „Stendhal Syndrome“ spielt Katrin Fridriks mit der Wirkungskraft der Kunst

Seit über einem Jahrzehnt experimentiert Katrin Fridriks mit den verschiedenen Elementen der Malerei. Nach und nach entwickelte sie daraus ihre Maltechnik. Die Einzelausstellung „Stendhal Syndrome“ in der Galerie Circle Culture stellt einen Höhepunkt im künstlerischen Schaffen von Katrin Fridriks dar. Hier zeigt sich Fridriks’ Umgang mit Malerei in ihrem Fokus auf der Vergrößerung ihrer charakteristischen Tropf-Effekte und in ihren architektonischen Kompositionen auf Leinwänden.

Kleinste Details

Die raumgreifende Installation „Perception of the Stendhal Syndrome“ ist das zentrale Ausstellungsstück und verweist zugleich auf das grundlegende künstlerische Konzept der Malerin, sich existenziellen Fragen mittels ästhetischer Erfahrung zu nähern. „Perception of the Stendhal Syndrome“ umfasst ein großformatiges Gemälde und eine speziell angefertigte, skulpturale Lupe, die vor der Leinwand von der Decke hängt. Obwohl sie am Ende des Galerieraums platziert ist, treten durch die Lupe kleinste Details in den Vordergrund, die zu flüchtigen Bildern im Rahmen der Linse werden. Durch die kleinste Änderung der Perspektive sieht der Besucher ein komplett anderes Bild. Die Installation erlaubt gleichzeitig einen Blick auf das Gemälde aus der Mikro- und Makro-Perspektive und vermittelt damit den Umfang von Fridriks’ künstlerischer Fertigkeit. Die Gemälde vermitteln in ihrer Intensität den Moment einer Eruption, ohne eine solche direkt darzustellen. Auch wenn die Farbe an der Leinwand haftet, so scheint sie doch nur kurz innezuhalten, um sogleich weiter zu wirbeln und über die Begrenzung des Trägers hinaus in den Raum des Betrachters zu fließen. Ihre ausgefeilte Technik ermöglicht es Fridriks mehr als eine bloße Momentaufnahme darzustellen, sie fängt die Geschwindigkeit der malerischen Geste ein und ruft damit ein Gefühl von Bewegung hervor. Auf einer abstrakten Ebene bezieht sich die Künstlerin damit auf den historischen Zeitpunkt der Entstehung des Universums, den Urknall als grundlegendes Ereignis.

Choreografischer Alt

Der Titel der Ausstellung „Stendhal Syndrome“ bezieht sich auf eine psychosomatische Störung, die durch eine überwältigende ästhetische Erfahrung beim Betrachten eines Kunstwerkes hervorgerufen wird. Erstmalig beschrieben wurden die Symptome von dem französischen Schriftsteller Marie-Henri Beylem unter seinem Pseudonym Stendhal, der sein Erlebnis beim Besuch der Basilika Santa Croce in Florenz im Jahre 1817 schilderte. Basierend auf chemischen und technischen Experimenten mit verschiedenen Farben und einem choreografischen Akt der Malerei hat Fridriks einen unverwechselbaren künstlerischen Ausdruck entwickelt, der noch bis zum 14. Februar anhand ihrer Werke in der Circle Culture Gallery zu sehen ist.

Weitere Informationen:
Circle Culture Gallery
Potsdamer Straße 68
Öffnungszeiten: Dienstag 14 bis 18 Uhr,
Mittwoch bis Samstag: 12 bis18 Uhr
www.circleculture-gallery.com

Josephine Bilk / Bild: courtesy-of-circle-culture-gallery

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