Brunnenviertels Sauberfrau

Engagement: Cecilia Stickler ärgert sich über Müll – und macht was dagegen

Wenn sich Cecilia Stickler ärgert, holt sie Pieker und Plastikbeutel hervor und geht auf den Vinetaplatz und in die Swinemünder Straße. Sie streift über den Spielplatz und die Fußgängerzone rund um den Platz und sammelt Müll. Im Frühling, wenn viele Nachbarn Frühjahrsputz machen, aber auch im Sommer, im Herbst und manchmal sogar im Winter. Sie sammelt seit mehr als zwei Jahren den Müll vor ihrem Haus und hofft von Anfang an auf Mitstreiter. Bisher sammelt die engagierte Frau jedoch meist allein.

Sauberes Schweden

Cecilia ärgert sich eigentlich regelmäßig über ein bestimmtes Thema: „Wenn ich aus dem Fenster schaue und den Müll sehe, dann gehe ich raus und sammle ihn ein. Es stört mich einfach, weil es hässlich ist. Berlin ist so dreckig!“ Cecilia Stickler ist 1967 mit Anfang 20 aus Schweden nach Deutschland gekommen, vor drei Jahren zog sie von Frankfurt/Main ins Brunnenviertel. In Berlin gefällt es ihr eigentlich gut, aber an den Schmutz auf den Straßen kann sie sich nicht gewöhnen. „In Schweden ist es viel sauberer. In Stockholm wird Müll innerhalb von zwölf Stunden weggeräumt, Graffiti an öffentlichen Gebäuden innerhalb von 24 Stunden entfernt“, erzählt sie von ihrer Heimat. „Ich kann mich einfach nicht damit abfinden, dass es hier so dreckig ist.“ Cecilia ärgert sich, dass manche Menschen alles einfach fallen lassen. Deshalb hat sie im Sommer vor zwei Jahren begonnen, in ihrem Umfeld Müll aufzusammeln. Windeln, Pizzapackungen, Reklameflyer, Plastiktüten, Taschentücher findet sie rund um ihr Haus, ohne lange zu suchen. „Die Leute, die mich sehen, denken wohl, ich bin verrückt. Sie gucken komisch, wenn ich Müll sammle. Wenn ich aber am Blumentrog vor den Haus gärtnere, sagen alle: Das ist aber schön!“ Sie wünscht sich so eine Akzeptanz auch für ihr Engagement für die Sauberkeit im Kiez. „Ich wünsche mir, dass noch andere Leute mitmachen, dass man sich mal trifft und ich dann merke: Ich bin doch nicht allein“, sagt Cecilia. Sie findet, dass es ruhig noch mehr sein könnten, die sich für ihren Kiez und die Sauberkeit engagieren. Deshalb sucht sie nun mit einem Aushang Mitstreiter. „Müll-Patenschaften zu verschenken!!!!“ steht auf dem Zettel. „Möchten auch Sie, dass unser Kiez sauberer wird? Wir schenken Ihnen eine Patenschaft für zum Beispiel das Gebiet um Ihr Haus. Sie kümmern sich um Ihr Gebiet und müssen sich dann über den Straßenmüll nicht länger ärgern. Mit der Patenschaft bekommen Sie auch die nötigen Geräte. Helfen Sie uns, unseren Kiez sauber zu halten. Viele schaffen mehr. Gemeinsam sind wir stark!“, heißt es weiter auf dem Aufruf.

Gleichgesinnte gesucht

Die engagierte Schwedin hat zwar noch keine Müllpaten-Nachbarn gefunden, wohl aber Anschluss zu Gleichgesinnten. Seit kurzem arbeitet sie im Quartiersrat mit und engagiert sich im Bürgernetzwerk „bv kompakt“. Im Rahmen des Wissensbörse Brunnenviertel bietet sie einen Schwedisch-Schnupperkurs an. Damit es mit den Müllpatenschaften nun auch noch klappt, hängt sie den Aufruf in den Kiez. Wer Interesse hat, eine Müllpatenschaft zu übernehmen, der kann sich im Freizeiteck in der Graunstraße 28 oder direkt bei Cecilia Stickler telefonisch melden.0173 668 73 36

Andrea Walde / Bild: Andrea Walde

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