Neuanfang am anderen Ende

Kiezleben: Verein „Leben in Wilhelmsruh“ soll mit Bibliothek im PankowPark umziehen

Früher passten hier am Werktor der Bergmann Elektricitätswerke AG in Wilhelmsruh die Ehefrauen ihre Männer ab, damit diese am Zahltag nicht ihren Lohn in der nahen Wirtschaft verprassten. Für den im Kiez geborenen Patrick Meinhardt eine Kindheitserinnerung. Eine lebendige zumal, denn im „Verein für Wilhelmsruh“ hat er sich um den Erhalt des einstigen Bergmann-Wachhäuschens verdient gemacht.

Beispielshaftes Engagement

Seit 2006 betreibt der Verein „Leben in Wilhelmsruh“ auf dem Gelände des heute PankowPark genannten Areals seine Bibliothek. Eigentümer ABB entwickelt seit mehr als 15 Jahren das denkmalgeschützte Industriegelände und verkauft in diesem Zusammenhang Teilflächen und einzelne Gebäude an neue Nutzer – so auch jene Liegenschaft, die ABB dem Verein für 15 Jahre kostenfrei zur Verfügung stellte. Mit Ablauf des Mietvertrages 2020 aber droht die Schließung der Bibliothek und das Aus eines beliebten, gewachsenen Mittelpunkts kulturellen Lebens in Wilhelmsruh. „Für mich auch eine sehr emotionale Angelegenheit“, sagt Meinhardt. Inzwischen ist die Firma Rock Coaches, Anbieter von Tournee-Bussen für Rockmusiker, neuer Eigentümer des rund 3.200 Quadratmeter großen Areals. Geschäftsführer Christian Hahne will dort eine Halle für seine Busse errichten. Dem Verein sein bisher genutztes Teilareal samt Bibliotheksgebäude zu überlassen, kam nicht in Frage. Er braucht die Gesamtfläche. „Ich will hier Millionen investieren, um neue Arbeitsplätze zu schaffen, bekomme aber bisher nur Knüppel zwischen die Beine“, ärgert sich der Unternehmer. Am liebsten würde er schnell loslegen, wartet jetzt aber erst mal auf die Bearbeitung seiner Bauvoranfrage. Mit „beispielhaftem Engagement“, lobt das Rathaus, hat der Verein „Leben in Wilhelmsruh“ das Bibliotheksgebäude mit Unterstützung von Sponsoren saniert und seither ehrenamtlich betrieben. Rund 400.000 Euro flossen laut Meinhardt in den Ausbau. Im April, September und November fanden – moderiert durch den Pankower Bundestagsabgeordneten Klaus Mindrup (SPD) – Gespräche mit allen Beteiligten statt, um Kompromisse auszuloten. Als Option wurde dabei auch die Herrichtung des Hauses 15 am anderen Ende des Industrieparks diskutiert. Ein Umzug dorthin käme frühestens ab 2016 in Frage. Tatsächlich zeichnet sich damit nun eine Lösung ab, mit der offenbar alle leben können, die aber noch nicht vertraglich unter Dach und Fach ist. Für einen Auszug vor dem Ende des Mietvertrages könnte der Verein wohl mit einer Abstandszahlung in Höhe von rund 70.000 Euro rechnen. Der neue Eigentümer, die Firma Rock Coaches, erklärt sich zudem bereit, auch das Haus 15 zu kaufen, zu modernisieren und so zu erweitern, dass darin sowohl Vereinsbibliothek als auch eine Dauerausstellung Platz finden. Die Idee dahinter: Ein finanzieller Bezirkszuschuss für die Betreuung der Ausstellung soll garantieren, dass der Verein auch künftig mietfrei arbeiten kann. Der Vereinsvorstand hat bereits Zustimmung signalisiert, im Februar soll die Mitgliederversammlung entscheiden. Meinhardt gewinnt dem neuen Standort sogar Positives ab: „Ganz in der Nähe sind Kindertagesstätte und Grundschule, so dass sich hier eine Bildungsachse etablieren könnte.“

Kosten klären

Zum aktuellen Sachstand sagt der zuständige Bezirksstadtrat, Dr. Torsten Kühne (CDU): „Erst wenn die mit einem Umzug verbundenen Kosten bekannt sind, kann über eine Kooperationsvereinbarung zwischen Bezirk und Verein beraten werden. Schon seit 2009 besteht das Ziel, die Ausstellung ,Energie aus Wilhelmsruh‘ dauerhaft in Wilhelmsruh zu zeigen. Die Kooperation mit dem Verein wäre eine Möglichkeit.“ Vorbild ist hier die Dauerausstellung „Zimmermeister Brunzel baut ein Haus“ in Prenzlauer Berg in Kooperation mit dem Verein Miteinander-Füreinander.

Michael Hielscher / Bilder: Michael Hielscher (2), Verein

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