Die Tücken des Berliner Baugrunds

Verschiebung: Die Fertigstellung von Kanzler-U-Bahn und S-Bahnlinie 21 verzögert sich

Der schwierige Berliner Baugrund ist kein Phänomen, er ist Tatsache. Doch scheinbar gelingt es ihm immer wieder aufs Neue, sich bei Neubauprojekten aus dem Bewusstsein von Bauherren und -planern zu schleichen, um später als Begründung für explodierende Kosten mit herhalten zu müssen. So zuletzt geschehen bei der Sanierung der Staatsoper und so auch aktuell beim Neubau zweier unterirdischer Verkehrsprojekte.

Geologisch kompliziert

Um gut 92 Millionen Euro wird sich der Lückenschluss zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor verteuern, der die U-Bahnlinie 5 mit der U55, die bislang zwischen Brandenburger Tor und Hauptbahnhof pendelt, verbinden soll. Stolze 433 Millionen Euro waren einst für die sogenannte Kanzler-U-Bahn eingeplant. Das Verrückte daran: Bei den Ausschreibungen der Bauaufträge für die Tunnelröhren zwischen Rotem Rathaus und Brandenburger Tor sowie für die neuen U-Bahnhöfe Museumsinsel, Unter den Linden und Rotes Rathaus hatten die Baufirmen weitaus günstigere Angebote als jene Kalkulationen abgegeben, die von den Berliner Verkehrsbetrieben zuvor errechnet worden waren. Stolz wurden 22 Millionen Euro als „Vergabeerfolge“ präsentiert. Dieses Geld wie auch die 26 Millionen Euro für „Unvorhergesehenes“ sind – natürlich – längst verbraucht. Neben einigem anderen sind die Hauptgründe für die Kostensteigerungen – ganz klar – Komplikationen beim Tunnelbau. Die entstanden, weil der Berliner Untergrund unter einem hohen Grundwasserstand leidet und die Bodenverhältnisse überdies „geologisch kompliziert“ sind. Welch‘ eine Überraschung. Und so ist eingetreten, was in Berlin irgendwie fast immer eintritt: Die Kosten jagen in die Höhe und die Terminvorgaben können nicht eingehalten werden. Jetzt wird sich die Eröffnung der Kanzler-U-Bahn von 2019 auf Mitte 2020 verschieben. Wenn nichts dazwischen kommt …

Provisorische Endstation

Der „schwierige Berliner Baugrund“ zwingt auch die Deutsche Bahn dazu, ihre Planungen für die S-Bahnlinie 21 zu korrigieren. Zwar kann an dem oberirdischen Teilstück zwischen den Ringbahnstationen Westhafen und Wedding sowie Hauptbahnhof erst einmal weiter gebaut werden, doch wenn von dort aus der geplante Tunnel unter der Spree in Richtung Potsdamer Platz gegraben werden kann, steht in den Sternen. Fest steht allerdings schon jetzt, dass die geplanten 330 Millionen Euro und das Eröffnungsdatum 2016 für das erstgenannte Teilstück nicht mehr aktuell sind. Ganz zu schweigen vom Premierentermin 2018 für die gesamte Strecke.

Doch bei diesem Projekt hat nicht nur der Berliner Untergrund seine Hand im Spiel, sondern auch der frühere Bahnchef Hartmut Mehdorn. Weil der seinen Hauptbahnhof pünktlich zur Fußball-WM 2006 an den Start bekommen wollte, fielen die vorbereitenden Baumaßnahmen für die unterirdische S-Bahnstation damals nur sehr sparsam aus. Folge jetzt: Die Station muss vollkommen neu geplant werden, und es wird eine provisorische Endstation geben. Was sie kostet, ist vollkommen unklar.

Ulf Teichert / Bild: Fritz Zimmermann

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