Mit viel Elan ins neue Jahr

Fußball: Zweitligist 1. FC Union Berlin nach der Winterpause.

Erst war Schneeschippen angesagt, dann der Test gegen den dänischen Erstligisten Esbjerg fB im Wittstocker Stadion des Friedens. Der ging am Samstag vergangener Woche mit 1:2 verloren und dürfte den Anhang des 1. FC Union dennoch optimistisch gestimmt haben. Wenn stimmt, was im Theater- und Opernbetrieb als gutes Omen gilt, dann ist eine misslungene Generalprobe klarer Hinweis auf eine gelungene Premiere. So also darf der Fan hoffen, dass seine Eisernen das Ende der Winterpause mit einem Sieg gegen den Rivalen aus Bochum am 7. Februar in der Alten Försterei erfolgreich gestalten können.

Neue Spielweise

Apropos Theater: Dass sich die Köpenicker inzwischen im Mittelfeld der zweithöchsten Spielklasse des deutschen Profifußballs bewegen, schien vor nicht allzu langer Zeit eher eine Vision. Mit jeder Menge Theaterdonner im Hintergrund schien es in der vergangenen Saison fast so, als wollten die Rot-Weißen auf Dauer eher mit dem Tabellenende liebäugeln. Dafür sorgte zunächst Trainer Uwe Neuhaus, der Union in sieben Jahren aus der Regional- ins stabile Mittelfeld der 2. Bundesliga geführt hatte, jetzt aber am Ende seines Lateins angekommen war. So sah es zumindest Präsident Dirk Zingler, der bereits im Mai den relativ unbekannten Übungsleiter Norbert Düwel als neuen Cheftrainer vorstellte. Grund genug für einen Großteil des Anhangs, den Neuen entsprechend skeptisch zu empfangen. Als dieser auch noch dafür sorgte, dass Publikumsliebling und Langzeitkapitän Torsten Mattuschka erst degradiert und dann nur noch als Ersatzspieler eingesetzt wurde und der nach neun Jahren bei Union schließlich die Segel strich, um zum FC Energie Cottbus zurückzukehren, schien das Vertrauen der Fans zu Vereinsboss Zingler und seiner Führungscrew nachhaltig erschüttert. Hinzu kam, dass die Mannschaft offensichtlich die neue Spielweise ihres Trainers nicht umsetzen konnte oder wollte. Nach dem 0:3 beim FC St. Pauli fand sich Union nach dem 9. Spieltag auf dem letzten Tabellenplatz wieder. Der vorläufige Tiefpunkt, der zu „Düwel raus“!-Rufen und Pfiffen gegen die Mannschaft führte. Ein einmaliger Vorgang in der Historie des 1. FC Union, dessen Fans sich rühmen, in jeder noch so schlechten Phase ihrem Verein die Treue zu halten. Auch deshalb gab Präsident Zingler die markige Parole aus „Mit aller Gewalt Klassenerhalt“ – hielt aber dennoch an seinem Trainer fest.

Norbert Düwel Cheftrainer 1. FC Union Berlin

Norbert Düwel – Cheftrainer 1. FC Union Berlin

 

Gewohntes Bild

Mit dem 3:1 gegen den SV Sandhausen am 18. Oktober und dem darauf folgenden Auswärtssieg in Aalen begann eine Phase der Stabilisierung, die trotz Rückschlägen (unter anderem 1:4 gegen 1860 München) zum aktuellen Tabellenplatz 10 und immerhin zu sieben Punkten Abstand auf den Relegationsplatz führte. Jetzt also kommt der VfL Bochum, dem in der Hinrunde auswärts ein 1:1 abgetrotzt worden war. Mit Martin Dausch hat zwar ein weiterer Publikumsliebling Union verlassen, sonst aber wird es das gewohnte Bild auf Bank und Rasen geben, auf dem im ersten Spiel wahrscheinlich auch Neuzugang Valmir Sulejmani zu finden sein wird. Die Ausleih-Spieler von Hannover 96 soll Flügelflitzer Maximilian Thiel ersetzen, der wegen einer Schulterverletzung wochenlang ausfallen wird. Was von den Eisernen zu erwarten ist, erklärt Urgestein Christopher Quiring: „Ich will am Ende einen einstelligen Tabellenplatz. Sonst wäre ich nicht zufrieden.“

Hintergründe

Die Fans sind eine Macht

Im Juli 2011 wird die „An der Alten Försterei“ Stadionbetriebs-AG gegründet. Klubmitglieder und Sponsoren haben im Dezember die Möglichkeit, insgesamt 10.000 Alte-Försterei-Aktie zum Stückpreis von 500 Euro zu zeichnen. 4.136 Mitglieder und Sponsoren erwerben 5.473 der Wertpapiere im Wert von 2,73 Millionen Euro (Foto: Präsident Dirk Zingler).

WM-Wohnzimmer

Für Hardcore-Fans eine Provokation, für den Rest der Welt die schönste Art, WM-Fußball zu schauen: Das WM-Wohnzimmer im Stadion An der Alten Försterei zog nicht nur mehr als 108.000 Besucher nach Köpenick, sondern sorgte dafür, dass über den 1. FC Union Berlin in aller Welt berichtet wurde. Eine Aktion, die den Eisernen viele neue Fans bescherte.

Weihnachtssingen

Was 2003 mit einer halblegalen Aktion von 89 Alt-Unionern am Mittelkreis begann, ist inzwischen ein gesamtberliner Ereignis. Im vergangenen Jahr verlangte Union für die 12. Auflage erstmals Eintritt (zwei Umsonst-Karten pro Mitglied), dennoch kamen am 23. Dezember 27.500 Sangesfreudige in die Alte Försterei.

Ulf Teichert / Bilder: www.unveu.de/Hänsch

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