Nach allen Regeln durchgespielt

Kinder: Winterakademie an der Parkaue bot ein spannendes Programm

Der Song-Text ist etwas anzüglich, immerhin ist vom „Recht auf Scheiße“ die Rede – doch muss man dazu auch noch den Mittelfinger in die Luft recken? Könnte das Publikum, dem man dieses Lied vorspielt, sich nicht beleidigt fühlen? Und soll man überhaupt Publikum sagen? Oder doch lieber Zuschauer?

Zehnte Ausgabe

Es ist der Tag vor der Abschlusspräsentation der „Winterakademie“ am Theater an der Parkaue und die jungen Teilnehmer eines Workshops zur „Zack-Zack-Demokratie“ diskutieren über ihren geplanten Auftritt. Zum zehnten Mal arbeiten hier Kinder im Alter von acht bis 20 an der Seite von erfahrenen Künstlern zu einem bestimmten Überthema. „Es soll eine Fragestellung, eine eigene Haltung dazu entwickelt werden“, sagt die Künstlerische Leiterin Karola Marsch, die die Workshops wegen ihrer ergebnisoffenen Strukturen lieber „Labore“ nennt: „Danach gilt es, die so herausgefundenen Dinge in einen künstlerischen Ausdruck zu übersetzen.“ Mit dem Klimawandel, der Finanzkrise oder Nahrung setzte die Winterakademie in den letzten Jahren dabei auch auf hochaktuelle Themen. Zum Jubiläum lautet das Motto „Sagen wir wir haben Recht“ und die Winterakademie hat Gäste wie den Jura-Doktoranden Julius Everling oder den Politiker und Rechtsanwalt Gregor Gysi (Die Linke) eingeladen. Ihre Antworten auf die Fragen der Teilnehmer sind aber nur ein Teil des Programms, das weit über Strafrecht und Gesetzbücher hinausgeht. „Wir spielen verkehrte Welt und probieren aus, wie es wäre, wenn selbst Naturgesetze auf den Kopf gestellt sind“, sagt etwa Niklas Loyke vom Puppenspielkollektiv „Das Helmi“. Loyke und seine Kollegen leiten das Labor 1, das unter dem Titel „Die Wurst will aus der Pelle“ der Frage nachgeht, ob es auch Alternativen zu althergebrachten Regeln gibt, die uns selbstverständlich scheinen. Die Teilnehmer basteln dazu aus Schaumstoff Puppen und spielen mit ihnen anschließend neue Ordnungen durch.

Dass der Paragrafenstrudel aber manchmal auch im Alltag hilfreich sein kann, haben wiederum die Teilnehmer des Labors zur „Zack-Zack-Demokratie“ herausgefunden. „Weil ich über sieben und deshalb geschäftsfähig bin…“ beginnt die elfjährige Stella ihren Satz, mit dem sie eine Petition vorstellt, die die Zuschauer unterschreiben sollen. Eines der Kinder im Labor kommt aus Afghanistan – nun wollen die übrigen Teilnehmer Unterschriften dafür sammeln, dass es einen deutschen Pass erhält und hier bleiben kann. Dieser „Deutsche Pass“ ist dann auch Inhalt des Songs, den die Gruppe zusammen mit der Schauspielerin Bettina Grahs und dem Musiker Friedrich Greiling („Mittekill“) entwickelt hat. Mit Bass, Synthesizer und Mikrofon bringt ihn die Gruppe schließlich auch auf die Bühne. Nur der Mittelfinger muss dabei unten bleiben – nach der Diskussion haben die Teilnehmer abgestimmt und sich gegen die Geste entschieden.
Philip Aubreville / Bild: Parkaue

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