Gekommen um zu bleiben

Soziales: Schulprojekt unterstützt Kinder mit besonderen Problemen im Klassenzimmer

Raufbold, Zappelphilipp oder Schulschwänzer – Überforderung oder Frustration im Klassenzimmer äußern Kinder auf unterschiedlichste Weise. Kommen Lehrer und Schüler nicht mit den vermeintlichen Störenfrieden zurecht, kommen sie in eine andere Klasse, wo sich die Situation oft nur wiederholt. Genau an dieser Stelle greift das Projekt „Gekommen um zu bleiben“ ein, welches in Zusammenarbeit mit dem Reinickendorfer Jugendhilfeträger Aufwind, dem bezirklichen Jugendamt und der Grundschule am Schäfersee in der Baseler Straße 2–6 entstanden ist. Um den Teufelskreis von Schulversagen und Ablehnung zu durchbrechen, werden Kinder mit Lernproblemen oder auffälligem Sozialverhalten in speziellen Übungsgruppen intensiv betreut.

Kontakt halten

Der Unterricht wird dem individuellen Entwicklungsstand angepasst, um verpassten Stoff nachzuholen. Ausflüge, Gruppenarbeiten und soziales Training sollen den Kindern den Umgang mit ihrer Klassengemeinschaft erleichtern. Dazu gibt es Musiktherapie. Dabei behalten die Kinder während der Projektphase stets den Kontakt zu ihrer Schulklasse. Auch die Familien werden anhand von Elterngesprächen mit in das Projekt eingebunden. „Die Kinder bleiben ein bis zwei Jahre in dem Projekt, bis sie wieder vollständig am regulären Unterricht teilnehmen können“, erzählt Sabine Hermann-Rosenthal, Geschäftsführerin von Aufwind. Derzeit werden acht Kinder der Grundschule am Schäfersee betreut. Das auffällige Verhalten der Kinder kann vielerlei Ursachen haben. „Oft wurden die Kinder einfach zu früh eingeschult und kommen schlichtweg nicht mit den Anforderungen des Schulalltags zurecht“, so Hermann-Rosenthal. Manche der Schüler hätten aber auch eine traumatische Erfahrung zu verarbeiten, die sich in auffälligem Sozialverhalten äußere. Gemeinsam hätten die Kinder aber, dass sie durch das Projekt enorme Fortschritte in ihrem Sozialverhalten und ihren schulischen Leistungen machen.

Schulwechsel vermeiden

Das Projekt wurde 2012 ins Leben gerufen. Die Idee dazu kam Hermann-Rosenthal nach einem Erlebnis in der Klasse ihrer eigenen Tochter. „Dort gab es ein Mädchen, das den Lehrern große Mühe gemacht hat“, erinnert sich die Aufwind-Geschäftsführerin. „Es kam in die Klasse und erwartete dort sowieso wieder rauszufliegen, randalierte und beschimpfte Lehrer und Schüler.“ Weil die Schule aber hervorragend mit Personal ausgestattet war, konnten sich die Lehrer den Problemen des Mädchens widmen. Mit Erfolg – der erwartete Schulwechsel blieb überflüssig. Am Ende der Grundschulzeit überreichte das Kind den Klassenlehrern sogar einen Brief, in dem es sich dafür bedankte, dass es bleiben konnte. Und nach mehreren Jahren erfolgreicher Arbeit von „Gekommen um zu bleiben“ ist Sabine Hermann-Rosenthal überzeugt: „Solche Projekt müsste es an Schulen öfter geben.“

Nabila Lalee / Bild: Etienne Girardet

WEITERSAGEN

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden. Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.

Schließen