Universal-Künstler wiederentdeckt

Ausstellung: Noch bis 24. Mai im Bröhan-Museum: Retrospektive Hans Christiansen

Hans Christiansen (1866–1945) zählt zu den wegweisenden Künstlern des Jugendstils. Mit Joseph Maria Olbrich und Peter Behrens gehörte er zu den ersten sieben Mitgliedern der Darmstädter Künstlerkolonie Mathildenhöhe, ist heute jedoch – zu Unrecht – in Vergessenheit geraten. Das Bröhan-Museum in der Charlottenburger Schloßstraße 1a widmet diesem vielseitigen Künstler nun eine umfassende Sonderausstellung, die im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts mit dem Institut Mathildenhöhe Darmstadt, dem Museumsberg Flensburg und dem Museum Villa Stuck entstanden ist. Die erste Retrospektive überhaupt zu Hans Christiansen zeigt die ganze Bandbreite seines Schaffens: Zu sehen sind Gemälde, Plakate, Modeentwürfe, Tapisserien, Gläser, Keramik, Schmuck, Glasfenster, Besteck und Möbelensembles. Dem Geist der Zeit entsprechend, verstand sich Christiansen als Universalkünstler. Bekannt geworden ist er mit seinen Cover-Illustrationen für die Zeitschrift „Jugend“, die der Bewegung in Deutschland ihren Namen gegeben hat. Christiansen gelang es, die typischen Bildmotive des Jugendstils – schöne Frauen, märchenhafte Fantasiewesen, symbolistisch überhöhte Blumen, geschwungene Linienornamente – mit der typografischen Gestaltung des Schriftzugs zu einer Einheit zu verbinden.

Die Städte Hamburg, Paris und Darmstadt wurden prägend für den gebürtigen Flensburger. In Paris zum international tätigen Künstler mit Verbindungen bis nach Sankt Petersburg avanciert, wurde er 1899 von Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein nach Darmstadt berufen. Auf der Darmstädter Mathildenhöhe tat sich Christiansen als genuiner Gesamtkunstwerker in Malerei, Architektur und angewandter Kunst hervor. Sein Œuvre ist das Ergebnis einer Vielzahl von Inspirationsquellen: Sie reichen vom Kunstgewerbe des späten 19. Jahrhunderts über die Glasfenster von Louis Comfort Tiffany und japanische Farbholzschnitte bis zu Henri de Toulouse-Lautrecs Plakatkunst und der Malerei der Nabis.

Zu Lebzeiten hochgerühmt und international bekannt, gerät Christiansen noch vor seinem Tod in Vergessenheit: Wegen seiner jüdischen Ehefrau Claire, geborene Guggenheim, zu der er konsequent steht, sind ihm ab 1933 Ausstellungen und Veröffentlichungen nicht mehr erlaubt. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs stirbt Christiansen mit 78 Jahren. Bis heute steht er im Schatten seiner Zeitgenossen Henry van de Velde, Joseph Maria Olbrich und Peter Behrens. Der Großteil der etwa 250 in der Ausstellung gezeigten Kunstwerke stammt aus Flensburg, wo sich der Künstlernachlass befindet, sowie von der Mathildenhöhe Darmstadt. Weitere seltene Leihgaben kommen aus privaten und öffentlichen Sammlungen. Die Ausstellung gibt erstmals einen Überblick des vielseitigen Schaffens von Christiansen.

Michaela Bavandi / Bild: Greogor Schuster

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